Ocker



Chemische Zusammensetzung: verschiedene wasserhaltige Eisenoxide, vor allem Goethit (Fe2O3·H2O)

Unter der Bezeichnung "Ocker" sind eine nahezu unendliche Vielzahl von natürlich vorkommenden Erdpigmenten bekannt. Die Farbtonbezeichnung "Ocker" spricht für sich; jedes Kind weiss, was damit gemeint ist: Korrekt formuliert müsste man sagen, dass es sich um ein gebrochenes, graustichiges Orangegelb handelt. Immerhin sind die wenigsten imstande, einen Ockerton aus anderen Farben nachzumischen!

Am häufigsten begegnet man sehr hellen Ockersorten, im Handel in Deutschland unter der Bezeichnung "lichter Ocker", "Goldocker" oder "Gelber Ocker" bekannt. Dunkler Ocker ist braunstichiger, Rotocker rotstichiger, etc. Weitere Varietäten sind Olivocker und Orangeocker, von den zahllosen Zwischentönen ganz zu schweigen. Französische Ocker (40010-40090) zählen qualitativ zu den hochwertigeren Sorten. Unter einer festgelegten Buchstabenkennung werden hier die einzelnen Qualitäten angeboten. Weitere Ockersorten kommen vorwiegend aus Italien, England und auch – vereinzelt – aus Deutschland, sowie anderen Ländern. Amberger Gelb (40280) ist eine deutsche Ockersorte, die bevorzugt im bayerischen Raum zum Gestalten historischer Bauten benutzt wird. Unter "Satinober" versteht man einen orangegoldenen Ockerton. Oxidgelb ist ein synthetisch hergestellter Ockerton, welcher zunehmend das Naturprodukt ersetzt.

So unterschiedlich die Farbnuancen ausfallen können, so differenziert ist auch der chemische Aufbau. Allen Ockersorten gemein ist die Tatsache, dass es sich um das Hydrat von III-wertigen Eisenoxid handelt, wobei der Wassergehalt schwanken kann. Neben dem Eisenoxidhydrat enthalten die Ocker als nichtfärbende Bestandteile zahlreiche Aluminiumverbindungen, wie Silikate, Oxide und Hydroxide (Tonerde). Die Farbtöne fallen umso feuriger aus, je höher der Anteil an Eisenverbindungen ist. Ein geringerer Wassergehalt führt vemehrt zu einem Rotstich, Spuren von Mangan verfärben Ocker grünlich bis bräunlich. Ein Übergang zu den Umbrasorten kann fliessend sein. Geringwertigere Ockersorten erkennt man unter anderem am weniger schönen Farbton. Sie enthalten als Beimengungen unter Umständen Kalk oder sandige Bestandteile, was man durch ein knirschendes Geräusch beim Anreiben und an der gröberen Konsistenz feststellt.

Bei allen Ockersorten handelt es sich um halbdeckende bis gut deckende Pigmente, welche allesamt völlig lichtecht und mit allen Bindemitteln verträglich sind. Somit ist Ocker ein Universalpigment, welches in jeder Technik sinnvoll eingesetzt werden kann. Ockerlasuren haben eine leicht trübende Wirkung, was man bei bestimmten Effekten gezielt ausnutzt. Unentbehrlich ist es nicht nur in der Landschaftsmalerei, wo man es sehr gut zum Ermischen von natürlichen Grüntönen benutzen kann. Ein Ermischen von Ockernuancen aus den Grundfarben wäre viel zu umständlich und zeitraubend. Geringe Beimengungen von Ockertönen sind unerlässlich beim Darstellen von Luft, in der Portraitmalerei und zum Brechen von allzu bunt wirkenden Farbtönen. Aquarelle, die dünn mit Ocker unterlegt werden bekommen so ein harmonisches Gesamtlicht.

Als vielerorts zu findendes Naturprodukt zählt Ocker zu denjenigen Pigmenten, welche von der Menschheit bereits seit Urzeiten verwendet werden. Aufgrund seines niedrigen Preises und seiner anderen positiven Eigenschaften hat dieses Naturprodukt auch heute noch einen bedeutenden Stellenwert. Die Tatsache, dass manche gekauften gebrauchsfertigen Ockerfarben Beimengungen von künstlich hergestelltem Oxidgelb enthalten, braucht streng genommen lediglich den Restaurator zu interessieren und tut der Qualität des Materials keinerlei Abbruch!

 

Ocker sind natürlich vorkommende Verwitterungsprodukte von Eisenerzen und Feldspat mit oder hohen Kalkgehalt, die wegen ihres hohe Gehalts an Eisenoxiden, Eisenhydroxiden oder basischen Eisensulfaten (12-60%) hellgelbe bis gelbbraune Farbtöne aufweisen und daher nach feiner Zermahlung, Schlämmung usw. als Farbpulver mit Leinöl, Lacken, Kalk, Casein, Leim oder Wasserglas angerührt und verstrichen werden.

Ihr spezifische Gewicht schwankt zwischen 2,1-3,4. Der Ölbedarf erreicht bei den hellen Ockern 45-60, bei den dunklen Ockern bis 150% des Gewichts. Die Korngrösse beträgt ca. 1-5 µ.

Beim Erhitzen nehmen die Ocker infolge Bildung von Fe2O (ähnlich wie Backsteine und Ziegel) eine rote Farbe an. In Salzsäuren lösen sich die Ocker unter Bildung von Eisenchlorid zum Teil auf. Durch schwefelige Säure können Ocker-Anstriche allmählich ausgebleicht werden, dagegen widerstehen sie die Einwirkung von Licht, Luft und Alkalien.

Ocker kommt in verschiedenen Farbtönen in den Handel (z.B. gelber, roter, brauner Ocker usw.) und wird unter anderem zu Anstrichen aller Art in der Dekorations- und Kunstmalerei, ferner zu Fussbodenanstrichen, zum Färben von Leder, Tapeten, Wachstuch, Kunststeinen, zur Herstellung von Pastell-, Farb- und Kreidestiften in grossem Umfang verwendet.

Da sich Ocker in der Natur vielfach findet und keine besonderen Verarbeitungsschwierigkeiten bietet, diente er schon seit den ältesten Zeiten als Malerfarbe; so sind z.B. die Höhlenzeichnungen von Altamira mit Ocker gemalt. Bei den alten Griechen wurde der Ocker "ochra", bei den Römern "sil" genannt.

Siehe auch allgemeine Informationen zu Erdfarben, Burgunder Ocker, Bohnerz, Limonit, Bauxit, Goethit und Brauneisenstein.