17050, 40390 - 40404 Terra di Siena natur, Sienaerde
Als Terra di Siena bezeichnet man eine besondere Art gelben, manganhlatigen Ockers mit hohem Eisengehalt (50-70% Fe2O3), deren beste Sorten in der Nähe von Siena vorkommen. Sienaerde wirkt im Unterschied zu anderen gelben Ockerfarben in Ölbindemitteln lasierend.
Terre di Siena wurde früher vorwiegend in der Toskana gegraben, heute aber vorwiegend aus Bayern, der Pfalz und dem Harz im Tagebau.
Terra di Siena ist in allen Bindemitteln brauchbar.
Der Farbton dieses Pigments entspricht in etwa dem eines dunklen Ockertones, bzw. eines Goldockers. Die Besonderheit der Siena liegt jedoch in ihrem lasierendem Charakter, während Ockertöne eher deckender Natur sind. Das ist dem Anteil an Kieselsäure zu verdanken der dem wasserhaltigen Eisenoxidhydrat (Fe2O3·H2 auf natürlichem Wege beigemischt ist. Beste Sorten sind sehr leicht und fein und kommen zumeist aus der Gegend von Siena in der Toskana. Häufig jedoch spürt man den Kieselsäureanteil beim Anreiben oder Anspachteln durch kleine sandige Partikel, welche unter dem Glasläufer knirschen. Vor allem bei weniger guten und billigeren Sorten, die aus England oder Deutschland kommen, ist dies häufig zu beobachten. Auch sind solche Qualitäten den Farbton betreffend häufig nicht so feurig, wie die besten italienischen Sorten, wenngleich es auch Ausnahmen gibt. Bezüglich der Haltbarkeit und Verwendbarkeit sind bei den unterschiedlichen Qualitäten keinerlei Einschränkungen gegeben. In den Künstlerfarbsortimenten wird es jedoch immer schwieriger, echte Siena natur zu finden. Häufig werden hier deutsche, halbdeckende Ockersorten verwendet, welche zwar genauso haltbar sind wie der Originalton aber bezüglich der Lasurwirkung deutlich hinten anstehen. Eine andere Möglichkeit liegt in der Verwendung von mikronisiertem Eisenoxidhydrat (Lasuroxidgelb) plus mehr oder weniger Streckmittel in Gestalt von Leichtspat (Gips) oder Aluminiumhydroxid. Der Grund dafür liegt, zumindest bei hochwertigen Farben, in der immer schwieriger werdenden Beschaffbarkeit, ansonsten in Kostengründen für den Hersteller, wenngleich es sich bei Siena natur durchaus um ein recht preiswertes Pigment handelt.
Will man sich als Künstler diesen Lasurton selbst anreiben, tut man gut daran, sich von vorne herein die hochwertigste Sorte zu besorgen, die verfügbar ist. Das Anreiben von sandigen, groben Erden bedeutet einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit! Lediglich für Techniken der Wandmalerei ist ein gröberes Korn vertretbar. Will man sich Aquarell- oder Gouachefarben selbst anreiben, ist es bei sandigen Sorten dringend angeraten, zunächst im Porzellanmörser gut feinzureiben. In Öl empfiehlt sich ein gründliches Anreiben mit dem Glasläufer; geeignet sind Lein- oder Walnussöl, ein 5-10% Zusatz an Harzlösung 1:2 ist ratsam.
Aufgrund ihres typischen Lasurverhaltens sollte Siena natur in keinem Aquarellkasten fehlen, obwohl man dort zumeist den etwas gelberen Ocker findet, welcher jedoch lasiert eine Schleierwirkung verursacht. Auch in Öl ergibt Siena natur eine hervorragende Lasurfarbe, wobei die etwas verhaltenere Farbigkeit und leicht gröbere Stofflichkeit durchaus von Nutzen sein kann, ähnlich wie bei den grünen Erden. Übrigens lassen sich durch Ausmischen mit Ultramarinblau sehr warme, tiefe Olivtöne erzielen, welche als Lasur in Landschaftsdarstellungen eine sehr schöne Tiefenwirkung ergeben können.
Im Gegensatz zur gebrannten Siena kann hier mit Sicherheit gesagt werden, dass dieses Pigment schon seit dem Altertum verwendet worden ist und somit zu den ältesten Farbmitteln gehört, die die Menschheit kennt.
Siehe auch allgemeine Informationen zu Erdfarben und Lausitzer Ocker.