40430, 40450, 40440 Terra di Siena gebrannt PBr 7
Die besten Sienaerden, der Name verrät dies, kommen aus der Gegend von Siena, billigere Sorten auch aus England
(40490) oder Deutschland. Sie unterscheiden sich von der Originalware häufig durch einen rötlicheren
Farbstich, geringere Lasurfähigkeit und mitunter einem sandigen Charakter.
Im Gegensatz zu anderen rötlich-braunen Pigmenten wurde hier das Naturmaterials, eine gelbliche Sienaerde,
einem Brennvorgang unterzogen, wobei dem Eisenoxidhydrat das Wasser ausgetrieben wurde. Die lasierende Wirkung und das manchmal
etwas harte, sandige Korn sind auf den Kieselsäuregehalt des Pigmentes zurückzuführen. Als Eisenverbindung ist gebrannte Siena völlig ungiftig und uneingeschränkt
haltbar, was übrigens auch für weniger gute Sorten gilt.
Dieses solide und preiswerte Pigment ist universell für sämtliche Techniken geeignet, wobei gröbere Sorten eher für wandmalerische Zwecke und die feineren für die Tafelmalerei eingesetzt werden. So findet sich gebrannte Siena auch heute noch in fast allen Farbsortimenten, obwohl es für die Farbenhersteller immer schwieriger wird, wirklich gute Sorten im grösseren Umfang zu beschaffen, wie es für die fabrikatorische Fertigung erforderlich ist. Es ist daher zu erwarten, dass die Eigenschaften der zukünftigen Sienatöne nicht mehr an die alte Qualität der älteren Sorten heranreichen. Daher könnte es für den Künstler von gewissem Interesse sein, sich besonders schöne Pigmentsorten selbst anzureiben, wofür natürlich am besten besonders feine Sorten geeignet sind. Bei gröberen Sorten empfiehlt sich ein vorheriges Anreiben im Mörser. Zur Herstellung von Aquarellfarben gibt man zunächst lediglich etwas Wasser zu dem Pigment. Es wird daraufhin gerieben, bis die gewünschte Feinheit erreicht ist. In der Zwischenzeit ist ein Teil des Wassers verdampft und man kann nun Gummiarabikum-Lösung zugeben. Für Acryl- und Temperafarben, sollte an und für sich ein gründliches Anspachteln genügen, Ölfarbe sollte mit Lein- oder Nussöl unter dem Glasläufer angerieben werden. Da der Ölbedarf bei gebrannter Siena ziemlich hoch sein kann, ist es empfehlenswert, ein Teil des Öls (ca. 10%) durch Dammar- oder Cyclohexanonharzlösung (Ketonharz N) zu ersetzen, was zudem die Brillanz dieses Lasurpigmens steigert.
Aufgrund seiner transparenten Eigenschaften sollte dieses Pigment in keinem Aquarellkasten fehlen. Statt dessen ist aber zu beobachten, dass hier häufig Englischrot, eine ausgesprochene Deckfarbe, enthalten ist. Auch in Öl ist gebrannte Siena unentbehrlich. Durch den warmen Orangeton, der sich insbesondere in dünnen Lasurschichten offenbart, lassen sich mühelos Bildpartien nachträglich farblich einstimmen, wie zum Beispiel zu kalte unnatürliche Grüntöne. In Mischung mit Ultramarinblau erzielt man dunkle Brauntöne, bis hin zu neutralem aber transparenten Schwarzgrau, mit dem man am besten Schattenpartien auflasieren kann. Bei Verwendung von dünn aufgetragenem Schwarz würde sehr schnell eine Schmutzwirkung entstehen. Durch Mischung von Siena gebrannt und Schwarz werden Dunkelbraunetöne wie Umbra gebrannt oder Van-Dyk-Braun erzielt. Durch geringen Weisszusatz erreicht man natürlicher wirkende Ziegelrottöne als unter Verwendung von Englischrot.
Obwohl noch nicht einwandfrei nachgewiesen ist, ob gebrannte Siena bereits in der Antike bekannt war, handelt es sich mit Sicherheit um eins der ältesten und solidesten Pigmente. Moderne Farben, wie Lasuroxid-Orange, bei dem es sich um feinste künstlich hergestellte Eisenoxidpartikel handelt, entsprechen der gebrannten Siena unter den Umständen koloristisch aber auf Grund ihrer wesentlich höheren Intensität haben diese maltechnisch etwas andere Eigenschaften.
Siehe auch allgemeine Informationen zu Erdfarben.