45000 - 45080 Ultramarinblau PB 29
Der charakteristische Ton des Ultramarinblaus ist jedem bekannt. Physikalisch betrachtet handelt es sich um jenes Blau, welches am äussersten kurzwelligen Ende des Farbspektrums vorzufinden ist. Druck- oder fototechnisch lässt sich Ultramarinblau nicht korrekt wiedergeben.
Rotstichigeres Ultramarinblau (45020) ist nicht rotstichiger, sondern scheint nur so, weil es noch kurzwelliger ist. Es ist logisch, dass die Farbe stets dunkler wird, je mehr sie sich dem Ende des sichtbaren Spektrums nähert. Grünstichigere Ultramarintöne (45030, 45040) werden mitunter zu Kobaltblau-Ersatz verarbeitet. Das grünstichige Ultramarinblau enthält mehr Aluminium und weniger Schwefel als die rotstichige Sorte. Eine Verkollerung von Ultramarinpigment mit Zinkweiss bezeichnet man als "Königsblau". Der Unterschied in der Farbwirkung zwischen ungefirnissten, wässrigen Techniken und gefirnissten Malweisen ist bei Ultramarinblau gravierend. Bedingt durch das Bindemittel wird eine immense Tiefenwirkung erzielt.
Die Ultramarinpigmente werden seit 1829 synthetisch durch langwieriges Brennen von Kaolin, Quarz, Soda, Glaubersalz und Schwefel sowie Kohlenstoff als Reduktionsmittel gewonnen. Die chemische Formel wird mit Na8Al6Si6O24]S4 angegeben und ist somit identisch mit der des natürlichen Ultramarins. Demnach kann man Ultramarin als das Sulfid eines komplizierten Mischoxidpigments auffassen. Es lässt sich einfach dadurch erkennen, dass Schwefelwasserstoffgas entweicht, wenn man das Pigment mit Salzsäure übergiesst. Bedingt durch Dauer und Temperatur des Brennvorganges können unterschiedliche Nuancen erzielt werden. Ein Ultramaringrün wird durch eine geänderte Zusammenstellung der Rohstoffe gewonnen, konnte sich aber nie richtig durchsetzen.
Ultramarinblau zählt zu den beständigsten Pigmenten, die wir kennen. Es ist in Wasser, Ölen und Lösungsmitteln unlöslich. In Kalk-, Zement- und Silikattechniken sind allerdings nur Spezialsorten geeignet und in Säuren ist Ultramarinblau unbeständig, es sei denn, man arbeitet mit säurebeständigen Sorten. Ultramarinblau ist hervorragend lichtecht.
Die künstlich hergestellten Ultramarinpigmente stellen zwar ein sehr feines, weiches Pulver dar, sind aber in Öl äusserst schwer anzureiben. Auf jeden Fall sollte man hier das niedrigviskose, nicht gilbende Mohnöl den anderen Ölen vorziehen. Nach dem Unterspachteln einer bestimmten Menge an Öl wird man feststellen, dass während des Durchreibens mit dem Glasläufer das zuvor noch pastose, ja kittartig feste Blau schlagartig zerläuft wie Honig. Es muss solange Pigment zugesetzt und weiter angerieben werden, bis eine geschmeidige Tubenkonsistenz erreicht ist. Aber auch dann kann es passieren, dass sie erneut zerläuft, wenn man die Farbpaste eine Weile stehen lässt. Daher ist es sinnvoll ein wenig Bienenwachspaste 1:1 in Terpentinöl zuzusetzen, um dieser unangenehmen Eigenschaft entgegenzuwirken. Das Zubereiten von Ultramrinfarbe in wässrigen Techniken ist unvergleichlich einfacher, hier genügt ein Anspachteln mit dem Bindemittel.
Es bleibt dem Künstler überlassen, ob er Ultramarinblau als reine Lasurfarbe verwenden möchte oder mit deckendem Charakter als Weissausmischung. Hierzu sei gesagt, dass derartige Mischungen zwar ihre farbliche Wirkung nicht verfehlen, dass diese aber gerne plakativ wirken. Ein Himmel, welcher ausschliesslich mit Ultramarinblau und Weiss gemalt wurde, kann nicht natürlich wirken, weil dieses Blau nicht in der Himmelsfarbe enthalten ist. In Verbindung mit anderen Lasurfarben wie Chromoxidhydratgrün oder Krapplack lassen sich interessante Farbwirkungen erzielen. Auch ein Versetzen von gebrannter Siena mit Ultramarinblau ergibt tiefe reizvolle Tönungen.
Bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts war Ultramarinblau ein ausgesprochenes Luxusprodukt, da es auf umständlichem Wege nach alten Rezepturen aus dem Halbedelstein Lapis Lazuli gewonnen wurde. Ein sehr umständliches Verfahren zur Herstellung von Ultramarin wurde schon 1271 von Marco Polo beschrieben. Echtes Ultramarin (Azzurum ultramarinum = das Blau von jenseits des Meeres) ist auch heute noch so kostbar wie Gold!
Ausser in Künstlerfarben spielt Ultramarinblau auch als sogenannter "Weissmacher" (siehe 45180) in Waschmitteln und Papier und früher bei der Zuckerproduktion als nichtgiftiges Pigment eine Rolle: ein leicht blaustichiges Weiss erscheint kälter, und damit weisser, als ein gelbstichiges Weiss. Insekten lassen sich von blauen Anstrichen abschrecken, so dass Ultramarinblau auch eine ausgedehnte Verwendung in der Landwirtschaft vor allem für Tierställe fand.