46300 Zinkweiss, Zinkoxid
Im Gegensatz zum Kremserweiss stellt Zinkweiss ein reines weisses Pulver dar. Chemisch handelt es sich um Zinkoxid (ZnO). Als solches ist es, entgegen manchen Behauptungen absolut ungiftig, wenn es sich bei dem verwendeten Pigment um reines Zinkweiss handelt. Reines Zinkoxid wird auch in der Pharmazeutik in Salben verarbeitet. Neben reinem Zinkwess ohne Beimengungen, gibt es jedoch auch Zinkweisssorten, welche Blei- und andere Verbindungen enthalten (46310), was in jedem Fall gekennzeichnet sein muss! Nach Feinheitsgraden unterscheidet man die gröbere Sorte "Rotsiegel", die mittlere Sorte "Grünsiegel" und die feine Qualität "Weisssiegel". Für untergeordnete Arbeiten und für Grundierungen reicht normalerweise schon Grünsiegel, für künstlerische Zwecke sollte auf jeden Fall Weisssiegel vorgezogen werden. Ist im Farbhandel kein völlig reines Zinkweiss verfügbar, kann man es sich ohne weiteres als Zinkoxid über einen Apotheker oder im Chemikalienfachhandel beschaffen. Technologisch betrachtet, ist jedoch ein gewisser Anteil an Bleiweiss nicht schlecht, da dieses ein solides Druchtrocknen bei Ölfarbe fördert. Reines Zinkweiss hat eine interessante Eigenschaft, die es für gewisse Zwecke unentbehrlich macht: In dünnen Schichten hat dieses Pigment halblasierende Eigenschaften.
Als völlig beständiges Pigment ist es in jeder Technik brauchbar. Aufgrund des halblasierenden Charakters findet es sogar als Aquarellfarbe Verwendung. Bei kleineren Mengen in wässrigen Techniken reicht ein Anspachteln. Bei der Herstellung von Ölfarbe sollte jedoch mit dem Glasläufer gearbeitet werden. Aufgrund der Gilbungstendenz von Leinöl sollte auch Zinkweiss mit Mohnöl oder Sonnenblumenöl angerieben werden. Beim Vermalen macht es jedoch einen Sinn, eine kleine Menge (max. 2%) Kobaltsikkativ (78400) oder Kobalt-Zirkonium-Calzium-Sikkativ zuzusetzen, da die reine Mohn- oder Sonnenblumenölfarbe ansonsten Wochen zum Trocknen benötigen würde!
Im normalem Auftrag deckt Zinkweiss halbwegs akzeptabel, in dünnen Schichten, dies tritt vor allem in Öl deutlich zu Tage, erzielt man jedoch schleierhafte Dunstwirkungen, was auf dunklen Unter gründen noch deutlicher wird. Gleichzeitig beobachtet man hier jedoch eine Verschiebung ins Bläuliche, der man durch Zusatz von Ocker oder ähnlichen Tönen begegnen kann. Bei gezieltem Einsatz lassen sich so hochinteressante Wirkungen erreichen.
Fabrikatorisch wurde Zinkweiss nach unterschiedlichen Angaben erstmalig 1835 oder 1844 in Paris hergestellt, was bedeutet, dass Ölgemälde vor diesem Datum mit Sicherheit mit Bleiweiss gemalt worden sein müssen. Trotz der Erfindung des Zinkweiss brauchte es noch etliche Jahre, bis es sich gleichberechtigt neben Kremserweiss durchgesetzt hatte. Bei der Frage, welche der beiden Weisssorten denn vorzuziehen seien, entbrannten regelrechte Expertenstreite. Manche Künstler verwendeten parallel beide Sorten, wobei Kremserweiss als Mischkomponente für warme Töne diente und Zinkweiss für kühle. Diese subjektive Einschätzung (Zinkweiss wirkt eben kühler) war genau richtig, da Kremserweiss erfahrungsgemäss eher zum Gilben neigt, was bei warmen Tönungen weniger ins Gewicht fällt. Zinkweiss ist heute noch in nahezu allen Farbsortimenten vertreten, geht aber mehr und mehr zugunsten des Titanweiss zurück.