46400 Gofun Shirayuki, Muschelweiss
Chemische Zusammensetzung: Calciumcarbonat CaCO3
Gofun Shirayuki ist ein traditionelles japanisches Weisspigment.
Vor ungefähr 400 Jahren hat der japanische Kaiser den Gebrauch von Bleiweiss verboten.
Die Verwendung von Bleiweiss als Schminke im Theater, für die Malerei und als
Lebensmittelfarbe hatte zu einer starken Zunahme der Bleivergiftungen geführt.
Als Ersatz wurde das Gofun Shirayuki vorgeschrieben.
Das japanische Perlweiss wird in Japan aus Austernschalen hergestellt. Seit sehr langer Zeit spielt dieses Weiss in der japanischen Kunst eine besondere Rolle. Die Austernschalen werden in der Bucht von Kyoto in grossen Haufen am Rande des Meeres augehäuft. Die mehrere Meter hohen Häufen von Muschelschalen verrotten in dem feucht-warmen Klima rasch. Die Geruchsbelastung muss früher manchmal sehr gross gewesen sein. Die organischen Bestandteile der Muschelschalen zersetzen sich im Laufe von 5-10 Jahren. Übrig bleiben feinste Schuppen von Perlmutt (50831-50845), welche in einem aufwendigen Verfahren gereinigt werden. Diese Perlmuttschuppen werden gemahlen und durch Nassklassierung in der Grösse sortiert und stellen das wichtigste Weiss in der japanischen Malerei und des Kunsthandwerks dar. Wir bieten das Gofun Shirayuki von dem letzten existierenden japanischen Hersteller an. Geeignet für alle Maltechniken.
Dieses aus Japan stammende Spezialweiss hat einen leicht warmen Porzellanton. Es handelt sich hier um winzige, mit dem blossen Auge nicht sichtbare Perlmuttschüppchen, chemisch Calciumcarbonat.
Die Gewinnung dieses exklusiven Materials ist sehr aufwendig. Zu diesem Zweck werden Austernschalen in der Bucht von Kyoto zu bis zu acht Meter hohen Haufen aufgeschichtet. Im subtropischen Klima verrotten die organischen Bestandteile, was zu einer immensen Geruchsbelästigung führen kann. Der sehr langwierige Zersetzungsprozess kann bis zu 20 Jahren dauern, bis am Ende nur noch eine feine perlmuttrige Substanz übrigbleibt. Nach einer gründlichen Reinigung werden die Schüppchen gemahlen und nach Grösse sortiert.
Früher hatte die Herstellung von Muschelweiss in Japan eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung, zumal Gofun Shirayuki das traditionelle japanische Weiss schlechthin war. Heute stellt nur noch die Nakagawa-Gofun-Enogu-Fabrik in Kyoto dieses Pigment her.
Seit wann das Muschelweiss in Japan bekannt ist, lässt sich nicht eindeutig zurückverfolgen. Immerhin gibt es einen interessanten Bericht aus der Zeit um 1620. Demnach war bislang Bleiweiss in Japan bekannt und allseits gebräuchlich, vor allem für Gesichtsschmincken! Der damalige Kaiser war von den gehäuften Vergiftungsunfällen alarmiert und die Anwendung vom giftigen Bleiweiss per Erlass. Statt dessen wurde daraufhin nur noch das ungiftige Gofun Shirayuki verwendet, was auf deutsch ungefähr soviel heisst wie "Bleiweiss aus Muscheln".
Eine Tafeltradition wie in Europa hat es in Japan nie gegeben. Gofun Shirayuki wurde - und wird noch heute - in Japan vor allem zum Gestalten von Holzpuppen verwendet. Auf die aus Sägespänen modellierte Grundform wird das Muschelweiss in dünnen Schichten aus Leimfarbe aufgetragen und zwischen den einzelnen hauchdünnen Farbschichten immer wieder geschliffen und poliert. Bis zu mehreren hundert (!) Farbschichten ergeben schliesslich das perfekt modellierte Gesicht. Die Gesichter der fertigen in Seide gehüllten Puppen haben eine Oberfläche wie feinstes Porzellan. Eine einzelne Puppe kann bis 25.000 Euro kosten!
Wenngleich Gofun Shirayuki als Kalkweiss theoretisch für fast alle Techniken ausser sauren Medien geeignet ist, macht seine Anwendung zur Zwecke der Tafelmalerei nur in bestimmten Fällen einen Sinn. Letzendlich ist der experimentierfreudige Maler gefragt! Die Deckfähigkeit dieses Pigments ist ziemlich gering, sieht man einmal von nicht zu stark abgebundener Leim- bzw. Gouachefarbe ab. Hier können interessante Effekte durch mehrschichtiges Übereinanderlegen erzielt werden. Auch ist eine Anwendung vor allem in Kaseintempera auf Holztafeln als Bildträger denkbar. Es könnte ziemlich reizvoll sein, gewisse Bildpartien in Gofun Shirayuki anzulegen oder zu unterlegen, wenn eine porzellanartige Oberflächenbeschaffenheit gewünscht wird. Als Aquarellfarbe, mit Gummiarabikum angerieben, kann das Pigment gezielt als sehr dezentes Lasurweiss, zum Brechen allzu harter Kontraste eingesetzt werden. Auch hier besteht die Möglichkeit zu mehrschichtigem Aufbau, je nach gewünschter Wirkung. In Dipsersionsbinder wird die Transparenz des Materials noch weiter erhöht. Theoretisch kann man hier beliebig viele Schichten übereinandersetzen bis man den gewünschten Schleier- oder Nebeleffekt erzielt hat. Das gleiche gilt im übrigen auch für Gofun Shirayuki in Öl, wo es als konturerweichende Lasur am sinnvollsten eingesetzt werden kann.
Siehe auch allgemeine Informationen zu Calciumcarbonat.