48600 Hämatit, Blutstein
Hämatit wird, wie der Granat, auch als Blutstein ("hämos" = griechisch für "Blut") bezeichnet. Bei diesen in der Natur sehr weit verbreiteten Pigmenten handelt es sich farblich durchweg Orange- bis Rotbrauntöne, wofür das darin enthaltene Eisen-III-Oxid verantwortlich ist. Der farbgebende Gehalt kann je nach Sorte zwischen 20 und 95% schwanken. Roter Bolus beispielsweise ist eine stark tonhaltige Sorte, die vor allem als Grundiermaterial in der Vergoldertechnik verwendet wird. Weitere Sorten sind unter anderem Pompejanischrot (40440), Englischrot (40542 und 40545), Venetianischrot (40510), Terra Pozzuoli (41550) sowie das violettstichige Caput-mortuum. Ton- oder silikatreichere Sorten decken weniger gut, anonsten handelt es sich um ausgesprochene Deckfarben. Silikatreiche Sorten haben mitunter ein hartes Korn, was sich störend bei der Selbstherstellung von Farbe bemerkbar machen kann. Ansonsten aber handelt es durchweg um ziemlich weiche Pigmente, welche selbstverständlich ungiftig sind und problemlos für alle Techniken verwendbar und mit allen anderen Pigmenten verträglich sind.
Trotz dieser universellen Eignung werden die Naturpigmente bei den Farbherstellern mehr und mehr von synthetischen Eisenoxiden ersetzt. Ähnlich wie bei den anderen Naturerdfarben liegt das Problem in einer immer schwieriger werdenden Beschaffung, da viele historisch bedeutsame Fundorte mittlerweile ausgebeutet sind. Vereinzelt durchaus auch heute noch auffindbare natürliche Farbnester allerdings können von unglaublicher Brillanz und Leuchtkraft sein, kommen aber aufgrund der minimalen Vorkommen für eine fabrikatorische Fertigung nicht in Betracht. Somit ist es für den Künstler sehr interessant, an dieser Stelle das Angebot im Pigmenthandel zu betrachten. Da kann es durchaus sinnvoll sein, sich von einer besonders schönen Varietät selber Farbe für den Eigengebrauch herzustellen. Und das ist hier zumeist recht unproblematisch! Für wässrige Techniken genügt zumeist ein Anspachteln. In der Aquarelltechnik sind Eisenoxidrottöne allerdings nicht ganz glücklich gewählt, da sie so ausserordentlich gut decken. Aquarelliert wirken diese Töne, vor allem die dunkleren Nuancen, schnell schmutzig, weshalb man hier besser gebrannte Siena verwenden sollte! Zum Anreiben als Ölfarbe können auch langsamer trocknende Öle wie Mohn- oder Sonnenblumenöl verwendet werden, da das enthaltene Eisen trocknungsbeschleunigend wirkt, sollte dennoch unter dem Glasläufer angerieben werden.
Bei der farblichen Bildgestaltung unterschätzt man oft die Intensität dieser Nuancen. Diese als Brauntöne zu bezeichnen ist eigentlich unrichtig. Interessant für den Anwender ist es, die Oxidtöne z.B. mit Weiss, Ocker, Cadmiumgelb oder gar Chromoxidgrün auszumischen. In Verbindung mit Weiss und Ocker lassen sich beispielsweise sehr natürlich wirkende Hauttöne ermischen, nur mit Weiss ergeben sich hingegen recht kühle Rot- bis Rosanuancen, welche sich in einer Landschaftsdarstellung in grüner Umgebung als ziemlich leuchtendes Rot ausmachen können. Überhaupt ist interessant, dass man bei realistisch-naturalistischer Darstellungsweise auch zur Erzielung leuchtender Farbtöne zumeist auf die recht farbtonintensiven modernen Farben verzichten kann, wie die alten Meister hinreichend dokumentiert haben.
Natürliche Eisenoxidpigmente sind seit Anbeginn der Menschheit bekannt und dementsprechend verwendet worden. Auch wenn dieses absolut beständige und preiswerte Material heute durch chemisch gleiche synthetische Produkte ersetzt wird, ist sein Einsatz in der bildenden Kunst nach wie vor zu rechtfertigen.
Quelle: "Lexikon historischer Maltechniken" (2001) von Thomas Brachert
Hämatit, seit der Antike bekannt, ist ein Eisen-(III)-oxid,
Fe2O3, Roteisenstein von grosser Härte.
Hämatit diente als Polierstein und gebrannt als Lapis ematicis zinnobrium
ustum im Liber (147r) für ein leuchtendes Rot.
Hämatit ist in wässrigen wie in öligen Bindemitteln beständig.
Gegen Licht, Wärme, Feuchtigkeit und Chemikalien ist das Pigment weitgehend unempfindlich. Wegen seiner
Alkalibeständigkeit eignet Hämatit sich auch für die Wandmalerei.
Eisen-III-oxid (Eisenoxid, Eisensequioxid) ist eine mattrote bis leuchtend rote, pulverige Masse, die beim Glühen von Eisen-III-hydroxidraten, Eisen-III-nitrat oder Eisensulfat entsteht.
In der Natur kommt Eisen-III-oxid als Roteisenstein (Roteisenerz, Hämatit) in grossen, wichtigen Lagerstätten und in vielen verschiedenen Ausprägungsformen vor, so als Eisenglimmer (blättrige Kriställchen), Rötel (stark mit Ton verunreinigtes, daher weiches Fe2O3, roter Glaskopf (Fe2O3-Mineral mit niedriger Oberfläche und faseriger Struktur), Blutstein (völlig dichtes Roteisenerz, im Harz und im Erzgebirge verbreitet).
Die Gesteine ganzer geologischer Formationen (Rotliegendes, Buntsandstein) sind durch geringe Beimengenungen von Roteisenstein rot gefärbt. Eine kristalline, metallisch glänzende, stahlgraue bis schwarze Abart ist der Eisenglanz, der z.B. in Glimmerschiefern, Quarzschiefern und anderen Silikatgesteinen vorkommt.
Die natürlichen Fe2O3-Mineralien werden neuerdings unter dem Oberbegriff Hämatit zusammengefasst; Eisenglanz, Roteisenerz usw. würden somit Abarten und besondere Ausprägungsformen des Hämatits darstellen.
Siehe auch allgemeine Informationen zu Erdfarben, Rötel und Caput-mortuum.