62000 Lärchenterpentin echt


Lärchenterpentin, nach Venedig als Umschlagplatz auch venetianischer Terpentin genannt, ist je nach Sammelstelle und Jahreszeit der Gewinnung, nach Farbe und Viskosität von so erheblichen Unterschieden, dass er nur nach "Muster" gehandelt wird. Oft hat er die Konsistenz von schwer zähflüssigem Honig, so dass man kaum mehr von Viskosität sprechen kann.
Die maltechnisch bevorzugten Sorten sind zartgelb, bisweilen ganz leicht getrübt mit einem leicht grünlichen Stich, je weniger zähflüssig, desto beliebter. Die angestrebte Erhaltung möglichst hoher ätherischer Anteile wird durch die besondere Art der Gewinnung erzielt. Durch das forstwirtschaftlich natürlich viel schädlichere Anbohren der Stämme werden bis fast in den Kern hinein zahlreiche "Harzkanäle" geschaffen. Ein Verschliessen der Bohrlöcher verhindert ein vorzeitiges Entweichen flüchtiger Anteile. In nicht genügend sorgfältig verschlossenen Aufbewahrungsgefässen bildet sich an der Oberfläche rasch eine spröde Harzschicht, die ihrerseits keinen soliden Abschluss bildet, so dass der Balsam beim Lagern in unerwünschter Weise eindickt.

Für Zwecke der Ölmalerei kann Lärchenterpentin als Zusatz zur Bereitung von Harzmalmitteln dienen, wo er sehr geschätzt wird, weil er den üblichen Vergilbungserscheinungen kaum oder gar nicht unterworfen ist. Als Schlussfirnis eignet er sich weniger; denn er verharzt zu spröde. Eine grosse Rolle spielt er als zu emulgierendes Agens in Eitempera- und Kaseinemulsionen. Das er dort zum Verkleben der Pinsel führt, lässt sich beim Reinigen mit Seife durch ein Vorwaschen mit Terpentinöl beseitigen. Restauratoren schätzen ihn als stark klebefähigen Zusatz zu Wachsdoubliermassen.

Rezept für Arbeitslösung von Lärchenterpentin :

3 Raumteile Lärchenterpentin
1 Raumteil Terpentinöl

Nur im Notfall einer zu hohen Zähflüssigkeit erwärmt man den gesamten Lärchenerpentin-Vorrat im Wasserbad, nämlich nur dann, wenn kalt aus dem Vorratsgefäss nicht herausläuft. Sonst erwärmt man nur die jeweils abgemessene Menge leicht im Wasserbad bis auf etwa 50°C und fügt unter Umrühren die erforderliche Menge Terpentinöl hinzu.

Auf diese Weise hat man eine bequem zu handhabende Arbeitslösung 3:1 erhalten. Diese kann man nun entweder in diesem herabgesetzten Viskositätsgrad den verschiedenen Emulgatoren zufügen oder für Zwecke der Ölmalerei mühelos und ohne erneute Erwärmung weiterhin mit Terpentinöl verdünnen.

Quelle: "Werkstoffe und Techniken der Malerei" (1967) von Kurt Wehlte

Analysenzertifikat

Aussehen

Gelbes transparentes Harz

Organoleptisch

Geruch

Charakteristisch

Organoleptisch

Brechungsindex, 20°C

1,5193

 

Optische Drehung, 20°C

+ 32°

 

Relative Dichte, 20/20°C

1,0270

 

Löslichkeit

1 Vol. Öl in 2 Vol. Ethanol 80%, manchmal leicht opaleszent

 

Säurezahl

75,6

EP 2002, 2.5.1

Verseifungszahl

109,6

EP 2002, 2.5.6

Öl-Gehalt

16,9 %

 

Haltbarkeit

24 Monate, bei sachgemäßer Lagerung

 

Erstellt: 11.01.2007