62100 Kopaivabalsam & 70150 Terpineol
70150 Terpineol (Fliederextrakt)
Ich wende es seit 1892 an. Es hat sich als Malmittel auf nicht zu stark saugenden Leimgründen für Nass- und Nass- und Primamalerei glänzend bewährt. Es gilbt nicht, gibt den Farben einen weichen atmosphärischen, fast gouacheartigen Charakter. Heute, nach über vier Jahrzehnten, kann ich auf Leimgrund nicht die geringsten Farbveränderungen feststellen. Auf Ölgrund ist Terpineol zu verwerfen, da es diesen, wenn er nicht besonders gut ausgetrocknet ist, noch stärker als Kopaivabalsam zur Lösung bringt. Solche Stellen brauchen dann unendlich lang bis sie trocknen und verändern ungünstig die Farben. Auf Glas hinterlässt Terpineol einen kaum wahrnehmbaren Film, trotz seiner öligdicken Beschaffenheit. Es kann auch mit Terpentinöl oder Saugajol verdünnt werden. Prof. Charles Palmier, welchem ich das Terpineol 1902 zum Versuch empfohlen hatte, verwendete es sowohl als Anreibeverdünnungs- und Malmittel und sagte mir viele, viele Jahre später, wie wundervoll klar gerade die hellsten Farben bleiben. Auch er verwendete aber nur Leimgründe, diese meist mit Zinkweiss hergestellt. Unter bedierseitiger, leider zu früh verstorbener Freund Professor Hugo Schimmel, ein ebenso bedeutender wie gewissenhafter Experimentator, zeigte mir 1930 eine grosse Reihe über 20 Jahre alte Bilder, darunter sehr viele hellfarbige, mit Terpineol auf Leimgrund gemalt, welche sich hervorragend gehalten haben.
Auch der Maler Brynolf Wennerberg wendet Terpineol in Ölfarbe und Tempera seit 1926 mit gutem Erfolg an.
Der einige Nachteil des Terpineols ist sein starker Fliedergeruch, den mancher nicht verträgt.
62100 Kopaivabalsam Kopaivabalsam wird aus Kopaiva var. gewonnen. Vorkommen befinden sich in Brasilien, Venezuela, Surinam und Kolumbien.
Der Geruch ist pfefferig. In dünnen Schichten ist Kopaivabalsam trocken, spröde und bröckelig, sonst dicklüssig bis dünnflüssig. Die Farbe ist rotbraun bis braun und grünlich fluoreszierend.
Kopaivabalsam ist ein vielumstrittener Werkstoff. Wenn er als Zusatz zur Farbe oder als Malmittel gebraucht wird, kommt nur der beste, der Parabalsam, in Betracht, mit günstigem Erfolg jedoch nur auf saugendem Leimkreidegrund. Auf Ölgrund führt er zu den nachteiligsten Überraschungen. Er gilbt auf diesem nach meinen Versuchen im Jahre 1912 ungeheuer nach und löst ihn um so schneller, wenn er nicht genügend ausgetrocknet ist. Schon nach 6 Jahren gilbte Bleiweiss, mit Para als Malmittel aufgestrichen, in schmutzig dunkelstes Zitronengelb, während Bleiweiss auf saugendem Leimgrund wohl etwas wärmer wurde, aber hell und klar blieb. Auf Ölgrund prima angewendet, mit öfteren Übermalungen, bildet Para unter angetrockneter Oberhaut der Farbschichten flammig-flüssige Inseln, welche späterhin, besonders bei hohen Temperaturen, zum Platzen und Abrutschen kommen.
Was Schäden an Böcklinschen Bildern, welche mit Kopaivabalsam gemalt wurden, anbelangt, so mögen sie ihren Grund darin finden, dass ein zu wenig saugender Leimgrund und unverdünnter Kopaivabalsam angewendet wurden oder unbewusst statt Parabalsam der dem letzeren sehr ähnliche Gurjumbalsam.
(Terpineol / Kopaivabalsam - Herrn Prof. Urban)
Im Jahre 1902 kaufte ich in der "Englischen Apotheke" in Florenz die Böcklinsche Kirschharzkopaiva Tempera Emulsion. Der Aufstrich auf Glas ist ins tiefste Bernsteinlackbraun nachgedunkelt und heute, nach 37 Jahren, noch unter der angetrockneten Oberfläche feucht. Kopaiva war im Übermass angewendet - vielleicht ist es aber doch Gurjumbalsam gewesen, denn bei Kopaiva konnte ich ein derartiges "Springen" und Nachbräunen eigener Rezepte auf Glas nie beobachten. Meine Tempera Emulsionen auf der Basis Gummiarabikum, Kirschharz, Ei und Kasein haben sich mit Para vorzüglich bewährt, allerdings auf stark saugendem Leimgrund. Dasselbe war der Fall bei Terpentinöl oder Sangajol verdünnt in meiner Kopaiva-Dammar-Enkaustik und als Malmittel für Mussini-Harzölfarben.
Diese guten Erfahrungen schlugen in sehr schlechte um bei Anwendung auf Ölgrund. Diesem ist es unmöglich, Säuren zu neutralisieren wie der saugende Leimgrund, welcher überschüssige Flüssigkeiten in sich aufnehmen kann. Im Gegenteil, der Ölgrund ist selbst säurebildend, besonders im halbtrockenen Zusand, da er dann vom Para gelöst wird.
Von der Schädlichkeit des Ölgrundes konnte ich bei den Restauratoren Gebrüder Hastreiter in München einen tiefen Einblick gewinnen. Fast 90 Abschnitte von Ölgrundbildern der besten Münchner Zeit letzten Jahrhunderts wurden mir gezeigt. Bis ins tiefste Schmutzigbraun oder Grau liegen heute diese einstmals weiss gewesenen "Reflektoren" vor unseren Augen. Die meisten Abschnitte sind vermorscht, zwischen den Fingern zu Staub zu zerreiben. Darunter waren Bildwerke bis zu 10,000 Mark und 50,000 Mark Wert. Sie sind wohl zunächst vor dem Verfall durch Rentoilieren gerettet, aber ihre ursprüngliche Leuchtkraft kann man diesen Werken mit keinem Mittel wiedergeben. In weiteren 50 bis 100 Jahren werden sie noch schlimmer aussehen.
Wenn bei Böcklinschen Bildern, welche mit Kopaiva gemalt wurden, sich Schäden zeigen, so mag vor allem ein zu wenig saugender Leimgrund und die Anwendung unverdünnten Kopaivabalsam daran Schuld haben. Otto Lasins, der langjährige Freund Böcklins, auch mir befreundet, warnte mich im Jahre 1912 vor Kopaivabalsam, da Böcklin ihn zum Sprung neigend fand. Ich verweise dabei auf die Ausführungen von C. Jantsch in seinem Aufsatze "Böcklin als Suchender in der Maltechnik". Ein Münchner Künstler besitzt ein grosses und ein kleineres meiner in Para-Kopaiva-Harz-Enkaustik gemalten Bilder. Das kleinere gab ich nur ungern aus der Hand, da schon zwei Bilder in dieser Technik übereinanderlagen. Ein drittes malte ich in Gegenwart des Künstlers darüber, um den Vorgang meiner Enkaustik-Malweise zu zeigen. Ich war überzeugt, dass das Bild zugrunde gehen müsse, habe mich aber gründlich getäuscht. Man ist überrascht von der Frisch und könnte glauben, sie wären erst kürzlich gemalt. Keine Gilbung, kein Platzen der Farbe war vorhanden. Sie haben koloristisch bis heute glänzend gehalten. Über das grosse sind 46, über das dreimal übermalte kleinere Bild 28 Jahre, über eine Reihe anderer Bilder 40 Jahre hinweggegangen. Aber sie wurden auf Leim-Kreide-Grund und nicht auf Ölgrund gemalt. Meine vernichtenden Ausführungen über den Ölgrund und das langjährige Vergleichsmaterials bleiben bis heute unwidersprochen.