63200 Casein-Rezepte
Casein kann auf verschiedene Arten aufgeschlossen werden.
Borax - Kasein - Leim
Ammoniumkasein und mit Hirschhornsalz bereitetes Ammoniumkasein verderben schnell, werden auch, wenn sie konserviert werden bald dünnflüssig.
Vorteil: verhältnismässig spannungsarm und im getrockneten Kasein gibt es kein Alkali späterhin.
Wenn Hirschhornsalz verwendet wird, ein grosses Gefäss nehmen da es stark schäumt.
Kalk - Kasein - Leim (Auszug aus Kuhrt Wehlte - WERKSTOFFE UND TECHNIKEN DER MALEREI)
Quark als Frischkasein wird zunächst in einem Tuch gut ausgepresst
um die Überschüsse an Molke (Wasser + Eiweiss) zu entfernen. Die nun etwas trockenere, krümelige Masse gibt man in eine
Reibschale und setzt ungefähr den 5. Teil Kalk hinzu. Diese Menge wird in der Praxis nie abgewogen,
sondern lediglich abgeschätzt, denn es kommt in diesem Falle nicht auf genaue Mengenverhältnisse
an (im Gegensatz zu einem neutralen Kalkkasein!). Den Kalk benutzt man, wie er aus der Grube, wo er eingesumpft lagerte, gestochen wird,
also in buttriger Konsistenz. Mit dem Pistill werden nun Quark und Kalk gut miteinander verrieben.
Man kann vorsichtshalber auch den Quark vorher schon einmal für sich allein durchreiben, um auf alle
Fälle Klumpenbildungen zu vermeiden. Im Verlauf von ungefähr einer Minute, also enorm rasch, vollzieht
sich der Aufschlussvorgang. Das Ergebnis ist eine zähflüssige Masse, die nur dann eine geringe Konsistenz hat,
wenn noch zuviel Wasser im Quark vorhanden war. Manche Maler, die keine Reibschale zur Verfügung haben, nehmen
statt dessen eine kleine Porzellan-, Kunststoff oder Emailleschale und ein selbstgeschnitztes klobiges
Rührholz oder sie vermengen auch Quark und Kalk auf einer Reibplatte oder einer gewöhnlichen
Glasplatte, indem beides miteinander sorgfältig durchgespachtelt wird. Die letztere Methode hat lediglich den
Nachteil, dass der Kaseinleim im Augenblick des Aufschliessens leicht von der ebenen Platte abläuft.
Eines Hinweises bedarf noch eine Erscheinung, die beim Kalkkaseinleim beginnt nach
verhältnismässig kurzer Zeit, manchmal schon nach etwa einer Stunde, zu gelieren. Er wird dadurch
unbrauchbar, denn er ist weder durch Wärmeanwendung noch durch erneutes Durchreiben mit einer
kleinen Wassermenge wieder flüssig zu machen. Man entgeht jedoch dieser lästigen Erscheinung,
indem man seine Farben möglichst sofort damit anreibt und den verbleibenden Bindemittelrest sogleich mit Wasser verdünnt.
Bei einem geringen Konzentrationsgrad kommt es nämlich nicht zur Gallertbildung. Fertig angesetzte Kalkkasein Farben gelieren ebenfalls
nicht mehr (meistens jedenfalls). An ihnen kann man lediglich eine andere
Erscheinung beobachten, die für alle Kaseinfarben, mitunter sogar für Kasein-Temperafarben gilt:
Verschiedene Pigmente erweisen sich als stark thixotrop verdickend. Die Thixotropie ist ein merkwürdiger
kolloid-chemischer Vorgang. Eine normale gebundene Farbe, die man in ebenso normaler Tubenkonsistenz
auf Büchsen abfüllte, ist schon am folgenden Morgen eine sulzige Masse geworden. Der Maler ist dann
leicht geneigt, solche Farbe mit Wasser zu verdünnen. Die Folge davon ist aber eine zu dünne, körperlose
Farbbrühe, auch dann, wenn nur eine ganz kleine Wassermenge zugesetzt wurde. Rührt man dagegen eine
thixotrope Farbe ohne Wasserzugabe mit einem Pinselstiel einfach durch, so nimmt sie sofort wieder
ihre ursprüngliche Konsistenz an. Manchmal genügt sogar ein seitliches Beklopfen des Gefässes oder ein mehrmaliges Aufstossen
auf die Tischplatte, um die Thixotropie aufzuheben.
oder : Kaseinfarbe trocken gemischt mit Kalk: (Quelle Brühl "Kasein")
Kalkkaseine sind nicht wasserlöslich, wenn sie getrocknet sind. 5,5 Teile Champagner Kreide 1,5 Teile China clay (oder Kaolin) 0,2 Teile Dextrin 1,2 Teile Kasein trocken gut vermischen. 1 kg von dieser Mischung in 830 ml Wasser einstreuen, sumpfen lassen, ca. 5 Stunden, besser über Nacht. Gut durchrühren und ca. 200 g Sumpfkalk zugeben, welcher vorher durchgerührt wurde, so dass er homogen, d.h. klumpenfrei ist. 1 - 2 Stunden stehen lassen. Die Champagner Kreide kann teilweise oder ganz durch andere Pigmente ersetzt werden. Dabei können sich die Eigenschaften der Farbe durch die speziellen Eigenschaften der Pigmente ändern, so dass immer Vorversuche gemacht werden müssen.
oder : (Kaseinfarbe weiss - auch aussen)
450 g Champagner Kreide 123 g Titanweiss 123 g Zinkweiss 168 g China clay 23 g Dextrin 112 g Kasein = ca. 1 kg trocken gemischt + ca. 830 ml Wassereinstreuen und ca. 5 Stunden einweichen lassen. Gut durchmixen und mit ca. 200 ml homogen gerührten Sumpfkalk verühren. Risse, insbesondere Abplatzen oder Abblättern, zeigt eine übergebundene Farbe an. Der Kaseingehalt muss vermindert werden. Abkreidende Schichten zeigen untergebundene Farbe oder schlecht dispergierte Pigmente an Kaseingehalt erhöhen oder Pigmente besser anreiben. Diese Art Kaseinfarbe ist auch für Aussenanstriche geeignet. Die Pigmente müssen kalkecht sein. Schutzbrille beim Streichen tragen! Die Farbe bald verbrauchen, sie wird innerhalb weniger Tage stinken! (je nach Witterung). Konservieren mit unseren Preventolen ist möglich. Konzentrationen siehe Preisliste. Auch Zinksulfid ist geeignet. 0,35 Teile bezogen auf die Trockenmischung werden den trockenen Komponenten zugesetzt und mit diesen vermengt.