64900 Glycerin
Chemische Zusammensetzung : CH2OH-CHOH-CH2OH
Farblose, klare, schwerbewegliche, geruchlose, süss schmeckende, hygroskopische, ungiftige Flüssigkeit, mit Wasser und Alkohol in jedem Verhältnis mischbar, dagegen unlöslich in Äther, Benzin, Petroläther, Chloroform und fetten Ölen.
Gutes Lösungsmittel für viele organische Stoffe, so z.B. Salze (Soda, Borax, Zinkchlorid, Jodkalium, Kupfersulfat), Alkalien, alkalische Erden, Alkaloide usw.
Glycerin erstarrt bei 0° nach längerer Zeit ziemlich schwer zu glänzenden, durchsichtigen Kristallen (rhombische System), die bei +17° schmelzen. Die Flüssigkeit siedet unter gewöhnlichem Luftdruck fast unzersetzt bei 290°, unter 50 mm Druck schon bei 205°. Die Dichte des reinsten Glycerin beträgt 1,265; bei wässriger Lösung sinkt die Dichte. Der Flammpunkt von Glycerin liegt bei 177°.
Glycerin dient zur Herstellung von Nitroglycerin, Dynamit und Sprenggelatine (hier z. Tl. durch Nitroglykol ersetzt), als elastische Bremsflüssigkeit in Rohrrücklaufgeschützen und hydraulischen Pressen, als feuchterhaltender Zusatz zu Hautcremen, Zahnpasten, Tubenfarben, Schuhcreme, Hektographenmassen, Stempelkissen, Modelliermassen, Klebstoffen, Papier, Tabak, Rasierseifen usw.
Glycerin wurde 1779 von Scheele bei der Verseifung von Olivenöl mit Bleioxid entdeckt. Chevreul zeigte 1813, dass die Fette Glycerinester von Fettsäuren darstellen, er gab dem Glycerin 1823 seinen Namen (glycérine). Die Konstitutionsformel wurde von Berthelot und Würtz (1833, 1855) ermittelt. Die erste Glycerinsynthese erfolgte durch Friedel und Silva (1872).
Siehe auch Mono-Ethylenglykol.