73500 & 73550 Walnussöl



Es sei vorausgeschickt, dass das aus gut luftig abgedörrten Walnüssen unter geringem Druck kalt gepresste Öl das einzige Nussöl ist, welches für maltechnische Zwecke taugt. Andere Nussarten ergeben nichttrocknende Öle. Deutsche Walnüsse sind zu klein, wenig ergiebig und enthalten in der oft dunkelbraunen Haut ihrer Kerne zuviel Gerbsäure. Zwar soll schon Leonardo da Vinci gefordert haben, diese Haut von den kurz vorher eingeweichten Nusskernen abzulösen, aber heutzutage wird sich kaum noch jemand finden, der das tut.

Hinsichtlich seines chemischen Aufbaues wie auch in seinen Eigenschaften steht Walnusskernöl zwischen Lein- und Mohnöl, jedoch dem Mohnöl etwas näher. Das gilt ebenso für seine nur ganz zarte Färbung. Die bedeutend kürzere Trocknungszeit als die des Mohnöls und die auffallend geringe Vergilbungstendenz neben seiner Dünnflüssigkeit und seinem hohen Pigmentaufnahmevermögen sind höchstwahrscheinlich die Gründe dafür, dass dieses Öl nicht nur in alten italienischen Malerbüchern angepriesen wird, sondern auch bei den Niederländern und Deutschen überlieferungsgemäss sehr beliebt war.

Quelle: "Werkstoffe und Techniken der Malerei" (1967) von Kurt Wehlte