Grünerde



Allgemeine chemische Zusammensetzung der Mineralien Glaukonit und Seladonit : K[(Al,FeIII),(FeII,Mg)](AlSi3,Si4)O10(OH)2

In der Natur gibt es sehr viele verschiedene grüne Mineralien. Viele von diesen Mineralien ergeben grünliche bis grünlich graue Pulver. Einige davon sind für die Herstellung von farbigen Oberflächen benutzbar. Im Regelfall besteht die Färbung dieser Pulver aus Eisen-II-Silikaten.

Die Differenzierung dieser grünlichen Pulver ist sehr problematisch, da es sich ja fast nie um einheitliche Stoffe handelt. In den meisten Fällen bestehen Grünerden entweder aus dem Mineral Seladonit oder Glaukonit. Als natürliche Beimischungen können Chlorit und Cronstedtit auftreten. In vielen Grünerden finden sich zusätzlich Spurenelemente von anderen tonhaltigen Mineralien (z.B. Morillonit oder Kaolinit). Die chemische Zusammensetzung von Seladonit und Glaukonit sind sehr ähnlich, jedoch unterscheiden sie sich hauptsächlich in ihrem Entstehungsort und ihrer Entstehungsart.
Die Möglichkeiten der mittelalterlichen Alchemie seltene Materialien zu erkennen und zu beschreiben waren sehr begrenzt. Wahrscheinlich wurde jede Art von beständigem kristallinen, mineralischen Grün in der Malerei benutzt.

Die häufigsten Mineralien sind auf der Basis von Eisen, Chrom und Nickel. Bis in die 80er Jahre unseres Jahrhunderts wurde z.B. in Russland ein lokales Chromvorkommen (Wolkonskoit) für künstlerische Zwecke ausgebeutet, über dessen chemische Zusammensetzung praktisch nichts bekannt geworden ist. In Italien standen im Mittelalter aus einer Vielzahl mineralogischer Vorkommen grüne und grünliche Mineralien zur Verfügung.

Während es jedem Mineralogen vom Altertum bis ins Mittelalter selbstverständlich war, grüne Erden und grüne Kupferverbindungen von einander zu unterscheiden, wurden die lagerstättengebundenen grünen Erden mit dem Ort ihrer Herkunft bezeichnet.

Manche grüne Mineralien traten nur in ganz geringer Menge an einem Ort auf, jedoch innerhalb einer Gegend immer wieder, so dass trotzdem eine einheitliche Farbe gewonnen werden konnte. Dies ist z.B. der Fall für das in Adern und dünnen Schichten bis 1 cm, auftretende Epidot in der Gegend von Livorno, Italien.

Viele solche grüne Mineralien wurden wohl lokal gesammelt zu Pulver verarbeitet und als Pigmente verbraucht, ohne dass sich ein regelmässiger Handel daraus entwickeln konnte.

Bei der beschränkten Anzahl von lichtechten grünen Pigmenten, war jede kleine Erweiterung im Erdfarbenbereich grün eine grosse Erweiterung der malerischen Möglichkeiten.

Nur durch ganz differenzierte Analysen römischer und gotischer Malerei lässt sich wohl die Literaturstelle des Theophilus genauer deuten.

Auch wenn dann die eine oder andere grüne mineralische Substanz damit analysiert werden kann, schliesst das für ein anderes Bild eines anderen Malers, in einer anderen Stadt nicht eine andere Substanz aus.

Siehe auch allgemeine Informationen zu Grünerde, Veroneser grüne Erde, Bayerische grüne Erde, grüner Porphyr, grüne Erde aus Cypern - grüstichig ital. grüne Erde, Böhmische grüne Erde, gebrannte grüne Erde und Kaolinit.