Auszug aus: Das Beizen, Schleifen und Polieren des Holzes, Elfenbeins, Horns, der Knochen und Perlmutter
Herausgegeben von Wilhelm Schmidt, Weimar 1891
Die Wachspolituren
a.) Das Wichsen oder Bohnern der Holzarbeiten.
Um einen solchen Wachsüberzug, der die wahre Beschaffenheit und Schönheit einer Holzart nicht zu sehr verdeckt, herzustellen verfährt man auf folgende Weise. Man schmelzt in einem Tiegel auf einer heißen Ofenplatte:
1 Teil reines gelbes oder weißes Wachs, oder Serefin,
dem man die Hälfte des Volumens Terpentinöl zugesetzt hat, läßt, nachdem man durch fleißiges Umrühren beide miteinander innig vermischt hat, etwas abkühlen, Holzfläche auf, daß man durch flüchtiges, anhaltendes Bürsten dieselbe gleichmäßig zusammenhängend verteilt, in die Poren des Holzes reibt und hierdurch dieselben schließt. Ganz glatte ebene Flächen behandelt man auf dieselbe Weise mit Hilfe eines wollenen Lappens oder Stückchen Hutfilzes, während man die Kehlungen u.s.w. mittels eines der Form entsprechenden Stückes Korkholzes – dem Korkstopfen einer Flasche – poliert. Man wiederholt das Auftragen und Einreiben des Wachses so lange, als man noch keinen genügend deckenden gleichmäßig glatten Überzug erzielt hat. Den Glanz erzielt man besonders dadurch, daß man, nachdem der Wachsüberzug erkaltet und fest geworden ist, nochmals mit einer reinen, weichen Bürste oder einem Stück Seidenzeug abreibt. Selbstverständlich wird das Wachspolieren stets erst nach vorhergegangener, gründlicher Schleifung der zu polierenden Teile vorgenommen. Je nachdem eine Beizung vorangegangen war und das Holz eine helle oder dunkle Farbe hat, kann man eine entsprechende Farbe dem Wachse beimischen, und so der natürlichen oder künstlichen Farbe nachhelfen.
Verschiedene andere Vorschriften zur Bereitung eines guten Polierwachses kommen der vorstehenden mehr oder weniger an Güte gleich oder übertreffen teilweise dieselbe; wir geben hier nachfolgend die neuesten und besten derselben.
zugesetzt hat, in einem Tiegel über Kohlenfeuer zergehen, rührt gut untereinander und gebraucht die Maße auf vorerwähnte Art.
auf, rührt gut durcheinander, trägt die breiartige Poliermaße stellenweise auf die zu polierende Holzflächen auf und verfährt wie oben.
d.) Ein anderes neueres Verfahren zur Darstellung einer guten Wichse für Holzarbeiten ist das nachfolgende:
Man verwandelt Stearinsäure in Pulver, vermischt dieses hierauf zur Hälfte des Volumens mit einem gutem Terpentinöl, bringt die Mischung in einem Tiegel im Waßerbade zum Schmelzen und rührt mittels eines Glaßtäbchens fleißig durcheinander.
Die erhaltene Wichse, der man nach Wunsch eine Farbe zusetzen kann, eignet sich zum Wichsen von Fussböden und Möbeln ausgezeichnet und dient ebenso, wie die Wachspolitur unter c, zum Aufpolieren gefirnißter Gegenstände aus Holz. Zu diesem Zwecke wird mittels eines seidenen Läppchens etwas Wichse aufgetragen, womit man die zu polierende Fläche übertreibt.