Wasserglas und Wasserglastauglichkeit von Pigmenten



Vorbemerkung:

Wasserglas bildet mit mineralartigen Pigmenten eine feste silikatische Struktur. Praktisch brauch das Wasserglas hierfür eine Art Brückenkopf am Pigment, als Ankopplung taugen besonders gut Metalloxide oder Silikate.

Hat das Pigment selbst einen Anteil von aktivem Silikat in der Molekularstruktur, kann eventuell das Wasserglas des Bindemittels mit dem Silikat des Pigmentes reagieren und das ganze verklumpt.

Deshalb müssen alle Erdfarben darauf geprüft werden, ob sie mit Wasserglas schnell oder langsam abbinden.

Bekannt sind folgende Pigmente als nicht lagerstabil, weil zu schnell mit Wasserglas reagierend:

    Ultramarinblau
    Goldocker italienisch
    Venetianischrot
    alle grüne Erden
    Chromoxidhydratgrün
    Kupferpigmente wie z.B. Grünspan, Plossblau, Malachit, Azurit

In diesen Fällen muss das Pigment mit Wasser eingesumpft werden, nach Zugabe zum Wasserbindemittel sofort verarbeiten.

Für Aussenanstriche gelten noch folgende Einschränkungen:

  • Die Pigmente sollten lichtecht und wasserfest sein, also nicht in Wasser quellen können.
  • Manche Erden wie Bolus rot, China Clay, Schiefermehle sind deshalb nicht frostfest.

     

    Rezepthinweis zur Verwendung von Wasserglas als Bindemittel:

    Wasserglas kann mit Quarzpulver oder quarzhaltigem Material oder einfach mit Metalloxiden reagieren. Diese Reaktion führt zu der enormen Festigkeit des Wasserglasanstrichs. Viele unserer natürlichen Erdfarben enthalten in einer reaktiven Form Siliziumdioxide, welche mit Wasserglas im Eimer stehen, so wird die Farbe fest. Weil die Reaktivität der Erdfarbe zu hoch ist. Diese schnell mit Wasserglas reagierenden Pigmente kann man folgendermaßen verarbeiten: Das Pigment wird längere Zeit in Wasser angeteigt. Der Pigmentbrei wird dem Wasserglas zugesetzt und dann sofort verarbeitet. Besonders betroffen sind folgende Pigmente:

    40220 Goldocker italienisch, 11000 Veroneser grüne Erde, 11010 Veroneser grüne Erde extra fein, 44250 Chromoxidhydratgrün

    Tip: Kaliwasserglas ist für viele Anwendungen ein hervorragendes Bindemittel, hat aber nur schlechte Haftung auf Untergründen mit Dispersionsfarbe oder Kunstharzen.
    Um auch dort mit Erfolg Kaliwasserglas - Bindemittel einsetzen zu können, empfehlen wir einen Zusatz von 10 - 20 % Acryldispersion, z.B. unsere neue 75367 Dispersion K 9.

     

    Rezept: Kaliwasserglas als Wandfarbe



    1 Liter Kaliwasserglas (Bestellnr 77750) mit 2 Liter Wasser mischen, ca. 1 kg Pigment, Pigmentmischung, Quarzmehl, Glasmehl, Trippel, Glimmer, Attapulgit oder sonstige SiO2-haltige Füllstoffe beimischen.

    Die Füllstoffe setzen sich jedoch immer wieder ab. Kreide kann bei Kaliwasserglas nicht verwendet werden.

    Nur auf mineralischen Untergründen (Putz-, Stein- oder Kalk) auftragen.

    Verbrauch: ca. 130 ml je qm je Anstrich

     

    Rezept: Kaliwasserglas als Wand-Lasurfarbe



    1 Liter Kaliwasserglas (Bestellnr. 77750) mit 3 Liter Wasser mischen, nach gewünschter Intensität z.B. 20 - 100 g Pigmente - für 1 Liter Kaliwasserglas-Lasurmedium - einrühren, mit breitem Pinsel, Schwamm, Rolle, o.ä. auftragen und nach Belieben strukturieren.

    Nur auf mineralischen Untergründen (Putz-, Stein- oder Kalk) auftragen.

    Verbrauch: ca. 100 ml je qm je Anstrich