Kermes, Kermesbeeren, Kermesschildlaus - nicht lieferbar!



Chemische Zusammensetzung : Hauptbestandteil ist Kermessäure   C16H10O8

Kermes ist eines der ältesten bekannten Farbstoffe. Er wurde bereits in dem Alten Testament erwähnt (Exodus, 26:1), wo er als Farbstoff für Tempelvorhänge empfohlen wird. Plinius (im 1. Jahrhundert) beschrieb den Gebrauch von Kermesläusen als Färbemittel im alten Ägypten und Rom.

Der Name Kermes leitet sich von dem sanskritischen Wort "krimidja" (Erzeugung durch einen Wurm, "krim" bedeutet Wurm im persischen) ab, und findet in vielen europäischen Sprachen auch heute noch Gebrauch. Das französische Wort "cramoisi", das englische "crimson" und das deutsche "Karmin" oder "Karmesin" sind davon abgeleitet.

Die Kermesschildlaus (Kermes vermilio, K. palestiniensis) ist der Cochenillelaus sehr ähnlich und wurde seit dem Altertum im mediterranen Raum als Farbmittel benutzt. Im Mittelalter wurde Kermes in Südfrankreich, Portugal, Spanien, Algerien und Marokko gezüchtet. Wirtspflanzen für Kermes-Produktion wurden auch noch im 19. Jahrhundert in Polen kultiviert. Dieser sog. "polnische Kermes" war jedoch von schlechterer Qualität und enthielt einen geringeren Anteil an Farbstoffen als die Sorten aus den südlichen Ländern.

Kermesläuse sind als Wirt hauptsächlich auf Kakteen der Mittelmeerländer, sowie auf Kermes- oder Scharlacheichen (Quercus coccifera L., Querecus ilex), heimisch. Früher hielt man die rundlichen Läuse für Beeren. Die Weibchen lassen sich auf den Blättern der Pflanze nieder und saugen sich fest. Die Männchen entwickeln sich zu Insekten mit zwei Flügeln und sterben nach der Paarung mit dem Weibchen ab. Die Weibchen nehmen eine kugelförmige Gestalt an und legen ihre Eier in einem weisslichen Belag auf die Blätter. Nach dem Absterben der Weibchen verbleiben die Körperhüllen als schützendes Schild über den Eiern. Die Hüllen werden gesammelt und getrocknet. Damals wurde Kermes oft in Form dieser Hüllen als Lieferant des roten Farbstoffes Kermes in den Handel gebracht.
Zum Ernten der polnischen Kermeslaus musste die Wirtspflanze ausgegraben werden, da sich die Läuse an den Wurzeln des Nelkengewächses befunden haben.

Gekaut färben getrocknete Kermesläuse den Speichel braunrot. Zur Herstellung eines feurig, scharlachroten Pigments (Karmesinrot) erstellt man einen wässrigen Auszug der Läuse, welcher zunächst mit Soda behandelt, später dann mit eisenfreiem Alaun gefällt wird. Durch die Zugabe von anderen Salzen kann eine Nuancierung des Farbtons erreicht werden. Kermes färbt Wolle aus einer sauren Lösung orange, auf Zinnbeize feurig rot.

Vor der Entdeckung der Cochenille in Mexiko, durch die Spanier im 16. Jahrhundert, wurden überwiegend Kermes, Krapplack, Brasilholz und lac dye zum Färben und für die Farbherstellung in Traktaten erwähnt.
Kermesfarblacke wurde bis zum 17. Jahrhundert noch als Malerpigment geschätzt. Sie dienten als Ersatz für das teurere, aus Cochenille gewonnene, rote Farbpigment Carmin naccarat. Kermes verlor dannach immer mehr an Bedeutung, da Cochenille einen höheren Anteil an Farbstoffen (Karminsäure, Kermessäure und Flavokermessäure) enthält, und das daraus hergestellte Pigment schöner und haltbarer färbt.
Im 19. Jahrhundert wurde Kermes ganz aus der europäischen Malerei verdrängt, und es wurden ausschliesslich nur noch Cochenille und Krapplack als Malerpigment verwendet.

Heutzutage wird Kermes nicht mehr kommerziell bewirtschaftet.