Leime



Eiweisstoffe oder Proteine bestehen hauptsächlich aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff; manche enthalten zusätzlich Schwefel und Phosphor und gehören damit zu den organischen Bindemitteln. Sie unterscheiden sich unter anderem durch ihren Stickstoffgehalt von den Bindemitteln wie Öle, Naturharze und Pflanzengummen.

Die Grundbausteine der Eisweisstoffe sind Aminosäuren, die nach einem unterschiedlichen, für jede Eiweissart charakteristischen "Muster" unter- und miteinander verbunden sind. Eiweisstoffe bestehen durchwegs aus sehr grossen Molekülen. Ihre kolloidalen Lösungen in Wasser, z.B. Milch und Hühnereiweiss, sind gegen Säuren, Laugen, Salze und zum Teil auch gegen Wärme empfindlich; sie gerinnen und werden unlöslich. Bakterien und Schimmelpilze vermögen Proteine zu zersetzen. Durch Säuren, Laugen und Enzyme werden diese in Aminosäuren gespalten. Wichtige Bindemitteln unter den Eiweisstoffen sind Leim, Casein und Hühnereiweiss.

Leim ist ein Umwandlungsprodukt der in tierischer Haut, Knochen und Knorpeln vorhandenen Kollagene. Wenn solche Bindegewebe längere Zeit mit heissem Wasser behandelt werden, quellen Kollagene (Leimbildner) und lösen sich schliesslich auf. Je nach den Ausgangsmaterialien unterscheidet man Knochenleim, Hautleim, Lederleim, Pergamentleim, Fischleim (aus Fischabfällen), Hasenleim (aus den Abfällen von Kaninchen und anderen Kleintieren) und Störleim (aus den Schwimmblasen von Hausen und Sterlet). Die verschiedenen Leimsorten unterscheiden sich in Farbe, Trockenzeit und Klebefähigkeit. Als bester und teuerster Leim galt lange Zeit der Störleim. Als Gelatine bezeichnet man besonders reine, geruchs- und farblose Leimsorten.

Schon Plinius erwähnt diese Leime als Bindemittel für Anstrichfarben. Wässrige Leimlösungen dienten als Bindemittel in der Buchmalerei, bei Malereien auf Stoff (z.B. Tüchlein) und für Wandfarben in Innenräumen. In den Gips- und Kreidegrundierungen von Holz- und Leinwandbildern sowie von gefassten (bemalten) Holzskulpturen liegt praktisch ausschliesslich Leim als Bindemittel vor. Offenbar um Emulsionsbindemittel un Zusätze von Leim handelt es sich nach neueren Untersuchungen sehr häufig in mittelalterichen Farben (aus Öl mit wechselnden Zusätzen von Leim bis hin zur Leimfarbe mit Ölzusatz). Leimlösungen trocknen unter Spannung auf und deshalb bewirkt u.a. ein zu hoher Leimgehalt in Anstrichfarben oder Grundiermassen, dass diese nach dem Trocknen aufstehen (sich ablösen). Als hygroskopisches Material quillt Leim, bei höherer Luftfeuchtigkeit und in trockener Umgebung schrumpft er, verliert dabei die Elastizität.

Werden im tierischen Gewebe enthaltenen leimartigen Eiweissstoffe, die Kollagene, mit heissem Wasser oder Wasserdampf behandelt, dann entstehen aus ihnen die wasserlöslichen Glutine. Das Glutin ist Hauptbestandteil der tierischen Leime und Gelatinen.

Der Hausenblasenleim wird aus den Schwimmblasen der Fischarten Stör, Hausen oder Sterlet gewonnen und gilt als der beste Leim bei Malern und Restauratoren, weil er bei hervorragendem Klebevermögen sehr lange hochelastisch bleibt. Dieser Leim ist allerdings sehr teuer, schwer zu beschaffen und besitzt allein schon deshalb exotischen Reiz. Sehr gute, nicht gerade billige, aber bezahlbare Leime werden im Handel als Hasenleim (63020, 63025, 63052) oder Hautleim bezeichnet. Das sind Leime, die vorwiegend aus den Häuten von Kleintieren gewonnen werden. Knochenleime und Fischleime sind billiger, trocknen aber weniger elastisch auf.

Konservierung: Man kann mit Salizylsäure oder ein paar Tropfen Nelkenöl (73700) oder Spiköl konservieren. Besser und sicherer ist es aber, jeweils nur so viel Leim anzusetzen, wie binnen kurzem verarbeitet wird, und ihn dann im Kühlschrank aufzubewahren.

Gerben: Alle Verbindungen und alle Grundierungen mit tierischen Leimen bleiben wasserquellbar, wenn sie nicht durch Zusatz von zehn Gewichtsprozent Alaun auf Trockenleim berechnet, "gegerbt", d.h. also in Wasser unlöslich gemacht werden. Vom früher noch empfohlenen "Gerben" mit Formalin wird abgeraten, weil das darin enthaltene Formaldehyd giftig ist.

Quelle: "Malmaterial und seine Verwendung im Bilde" (19. Auflage, 2001) von Max Doerner

siehe auch Rezepte: Leimfarbe für Wände (Innenbereich), Leim für Abgusszwecke, Rezept für Leimlösung