Seifen
C17H35COONa + HCl = C17H35COOH + NaCl.
Aus diesem Grunde kann man mit Seifen nur in alkalischer oder neutraler, nicht aber in saurer Lösung waschen. In gesundheitlicher Hinsicht ist reiner Seife völlig unbedenklich; Schmierseife wird u.a. auch zu Einreibungen bei Krätze, Ausschlägen usw. verwendet; bei Säurevergiftungen kann man Seifenwasser einnehmen; dieses wirkt als Brechmittel und bindet gleichzeitig die Säure unter Abscheidung harmloser Fettsäuren. Falls die Seifen neben den hochmolekulare Fettsäuren (Stearinsäure usw.) auch Fettsäuren mit 9-12 C-Atomen enthalten, ist eine gewisse allg. Desinfektionswirkung zu erwarten, wenn die Na-Ionen ins Körperinnere diffundieren und auf der Hautoberfläche die betreffenden Fettsäuren (verstärkt durch die Schweisssäuren) zurückbleiben. Reine Seifen (z.B. C17H35COONa) haben an sich neueren Forschungen zufolge keine oder nur eine geringe Desinfektionswirkung. Das spezifische Gewicht der Seifen liegt etwas über 1 (bei den Schwimmseifen ist es unter 1 gesenkt), die Flammfärbung ist intensiv gelb (von Natrium) oder (bei reiner Schmierseife) karminrot, durch ein Kobaltglas betrachtet. Beim Erhitzen verbrennt der Fettsäurerest der Seifen unter Verkohlung. In reinem Alkohol lösen sich die reinen Seifen klar auf, dagegen bleiben die meisten Streckungsmittel ungelöst zurück. Die Seifen des Handels enthalten neben den Natriumsalzen (oder Kaliumsalzen) der Fettsäuren noch rund 30% Wasser, ferner Harzseifen, Streckungsmittel (wie z.B. Soda, Wasserglas, Natron, Natriummetasilikat, Pottasche, Gelatine, Pektine, Stärke, Celluloseäther, Ton, Bimssteinpulver, Sand u. dgl.), Teerfarbstoffe, Parfüme, Wasserenthärtungsmitteln (Trinatriumphosphat, Calgon) usw. Reine Seifen (fettsaure Na-Salze) haben in Wasser gelöst höchstens pH 10; die günstigste Reinigungswirkung liegt aber bei pH 10-12; dieser pH-Wert kann leicht durch Wasserglaszusatz erreicht werden; das Wasserglas erhöht gleichzeitig die Lebensdauer des Schaums, es vermindert die Oberflächenspannung der Waschlauge (Erhöhung der Netzfähigkeit) es hält die abgelösten Schmutzteilchen in der Schwebe (so dass sie leichter abgespült werden können), es vermindert den Seifenverbrauch bei hartem Wasser und beseitigt Eisenoxidflecken besonders gründlich. Bei mässig gefüllten Seifen kann der Fettsäuregehalt von ca. 63% auf etwa 50% herabgesetzt werden. Der Verbraucher vermag eine Seife mit 70% Fettsäuregehalt von einer gestreckten Seife mit 60% Fettsäuregehalt in der Regel nicht zu unterscheiden. Bei längerem Lagern kann das Wasser an die Seifenoberfläche wandern und verdunsten, wobei sich die im Wasser gelösten Streckmittel an der Oberfläche als reines Pulver abscheiden (Ausblühungen).
Darstellung:
Bei der Herstellung von gewöhnlichen Kernseifen verkocht ("verseift") man billige tierische oder pflanzliche
Fette oder Öle (z.B. Presstalg, Palmfett, Kokosöl, Kokosfett, Palmkernfett, Olivenöl, Olein, gehärtete Öle,
Knochenfett) stundenlang in grossen, offenen eisernen Kesseln, bis ein zäher Seifenleim entstanden ist.
Nimmt man der Einfachheit wegen an, es würde reines Tristearin von der Formel
C3H5(C17H35COO)3 verseift
(in Wirklichkeit sind die Fette Gemische von gemischten Glycerinestern), so würde sich während des
Seifensiedens folgende Reaktion abspielen:
C3H5(C17H35COO)3 + 3NaOH = 3C17H35COONa + C3H5(OH)3
Es entsteht also Seife und Glycerin. Zur Verseifung von je 100 kg Tristearin braucht man theoretisch
13,5 kg Ätznatron (in Wasser gelöst) oder 18,9 kg Ätzkali; man erhält dann 103,1 kg reines Natriumstearat
(Reinseife), die bei der fertigen Seife natürlich noch mit Wasser, Streckungsmitteln (Reinseife), die bei
der fertigen Seife natürlich noch mit Wasser, Streckungsmitteln usw. vermischt ist.
Der nach dem Seifensieden entstehende Seifenschleim enthält Seife, Wasser und Glycerin. Wenn man Kokosfett,
Palmkernfett u. dgl. Mit Natronlauge verseift hat, lässt man den Seifenleim direkt zu einer Leimseife
erstarren. Diese kann den Kernseifen äusserlich durchaus ähnlich sein, sie verbraucht sich aber wegen ihres
hohen Gehalts an Wasser (bis zu 300%) und Glycerin viel rascher. Beim alten Seifensieden wird der Seifenleim
durch portionenweise Zugabe von Kochsalz "ausgesalzen", d.h. in einen halbflüssigen,
oben schwimmenden Seifenkern aus annährend reiner Seife und in eine "Unterlauge" (wäss. Lösung von
Glycerin, Kochsalz und überschüssiger Lauge) getrennt. Nach dem Abfliessenlassen der Unterlauge wird in
den Seifenkern maschinell noch Wasser eingearbeitet (frische, gute Kernseifen enthalten 30-33% Wasser), da
sonst die fertige Seife eine krümelige Beschaffenheit annehmen würde. In Kühlpressen verteilt man ausserdem
noch mit Hilfe von Pressluft allerlei Zusätze, Streckmittel usw. in der Seife. Bei der Herstellung von weichen,
braunen oder grünlichen Schmierseifen verkocht man billige Pflanzenöle (Leinöl, Cottonöl, Sojaöl,
Hanföl) oder Fischtran mit Kalilauge, der man beim Sieden noch etwa 15% Pottasche beimengt. Der Siefenleim
wird nicht ausgesalzen, sondern nach dem Einrühren von Streckungsmitteln, Zusätzen usw. (z.B. Wasserglas,
Pottasche, Kaliumchlorid, Kartoffelmehl, Celluloseäther) sofort in Fässer gefüllt gefüllt ("Fassseife").
Aus je 100 kg Öl erhält man 230-250 kg reine Schmierseife. Ein bestimmter Zusatz von Salzen (Pottasche,
Kaliumchlorid, Soda, Kochsalz, Natriumsulfat u. dgl.) ist bei der Schmierseife unerlässlich, da sonst ein
schnittfähiges Produkt entstehen würde.
Die Salze geben in der Schmierseife eine streichfähige Beschaffenheit; sie ermöglichen auch die Bindung
grösserer Wassermengen. Da in den letzten Jahren die Nachfrage nach dem Glycerin immer mehr ansteigt, wird
in vielen Fabriken Fett oder Öl in Glycerin und Fettsäure zerlegt. Die so gewonnenen Fettsäuren
(oder auch beim Fischer-Tropsch-Verfahren erhältlichen synth. Fettsäuren) verseift man in grossen Kesseln
unter Umrühren mit der berechneten Menge wäss. Sodalösung. Bei gewöhnlichen Seifen gibt man noch 10-15%
Fichtenharz dazu, dass bekanntlich auch verseifbar ist. Die Verseifung wird durch nachträglichen Zusatz von
NaOH beendet. In anderen Werken führt man die Verseifung der reinen Fettsäuren auch ohne Wasser mit der
doppelten, theoretisch erforderlichen Menge entwässerter Soda durch; hierbei entsteht ein Gemisch aus
wasserfreier Seife und Natriumbicarbonat, das durch Piliren in Kern- oder Feinseife verwandelt wird.
Unter Anwendung von Druck und Hitze kann man neuerdings auch die gewöhnl., neutralen Fette von Pflanzen und
Tieren mit Soda verseifen.
Von den vielen Seifensorten und Seifenpräparaten seien hier nur noch einige wenige Beispiele erwähnt: Seifenflocken sind getrocknete Kernseifen, die man warm zu einem dünnen Film auswalzt und mit Messern zerschneidet. Sie lösen sich infolge ihrer grösseren Oberfläche im Waschwasser schneller auf. Feinseife (Toilettenseife) stellt man aus reinsten Fetten (Presstalg, Olivenöl u. dgl.) her, der Seifenkern wird durch Trocknung auf 8-15% Wassergehalt gebracht und piliert. Transparente Seifen entstehen aus Kokosseife durch Zusatz von Spiritus, Glycerin u. dgl. Spezialseifen für Aluminiumputz sind kaltgerührte oder halbwarm hergestellte Seifen, denen Kaolin, Magnesia, Kieselgur, Schlämmkreide u dgl. zugesetzt sind oder Seifen mit Korrosionsinhibitoren aus Silikatbasis (Al ist alkalienempfindlich) oder Fettalkoholsulfonate, denen man feine Stahlwolle oder feine Schleifmittel (Kaolin, Neuburger Kieselkreide, Kieselgur u dgl.) beimischt und (evtl nach Methylcellulosezusatz) in Formen presst. Eine Ochsengallenseife erhält man durch Vermischen und Verpressen von 80 Tl. gepulverter, harter Seife und 20 Tl. Ochsengalle. Eine Zahnseife kann aus 25 Tl. reiner Kernseife, die aus 20 Tl. gefälltem Calciumcarbonat und 5 Tl. Talk hergestellt werden.
Geschichtliches:
Die erste Nachricht über die Seifenbereitung findet sich in den Schriften von Galen
(Arzt in Pergamon im 2. Jh. n. Chr.), nach dem Seife durch Verkochen von Fett mit Pottasche (Pflanzenasche)
gewonnen und zur Reinigung verwendet wurde. Nach Plinius haben die Germanen und Gallier bereits einfache
Seifen hergestellt, während in der römischen Kaiserzeit die Seife noch nicht in Gebrauch gekommen war.
Fast 2 Jahrtausende lang wurde Pottasche (durch Auslaugen von Holzasche erhalten) mit gebranntem Kalk in
Kalilauge übergeführt und mit dieser das Fett (hauptsächlich Talg) zu Seife verkocht, wobei man den
Seifenleim mit Kochsalz aussalzte. Zur Zeit Karls des Grossen gab es schon
Seifensiedereien, in den Mittelmeergebieten waren besonders (Savona, Venedig (15. Jh.) und Marseille
(17. Jh.) Sitz einer blühenden Seifenindustrie. Die Seifensieder organisierten sich 1334 in Augsburg,
1336 in Prag, 1337 in Wien und Nürnberg und 1384 in Ulm erstmals besonderen Seifensiederzünften.
Der Massenverbrauch an Seife setzte mit dem 18. Jh. ein. Er wurde begünstigt durch den Aufschwung der
Textilindustrie, die Einfuhr billiger tropischer Palmfette (etwa seit 1850) und die Erfindung der
billigen Le-Blanc-Soda (seit 1820), durch die die teure, unreine Pottasche verdrängt wurde.
Quelle: "Chemie Lexikon" (vierte Auflage, 1958) von Dr. Hermann Rompp
10 g Borax in
200 ccm Wasser heiss lösen
30 g gebleichten Schellack zerkleinert einstreuen (nicht aufkochen lassen!)
Rezept für Wachsseife (nicht wasserlöslich!)
10 g Ammoniumcarbonat in
60 ccm Wasser kalt einstreuen
25 g Bienenwachs gebleicht in
25 g Terpentinöl schmelzen
Die beiden Lösungen im Wasserbad zusammenschütten und umrühren. Das Mischgefäss muss reichlich bemessen werden,
weil ein Aufbrausen stattfindet. Ein völliges Auflösen des Ammoniumcarbonats ist nicht notwendig! Man muss es gut anrühren.
Man lässt es im Wasserbad etwa 45 Min. sieden. Dann muss bis zum Erkalten gerührt werden. Diese Wachsseife bleibt ammoniakalisch.
Sie wird auch als milde Reinigungspaste für Wandmalereien gebraucht. Alle alkalischen Anteile verdunsten beim Trocknen restlos.