Ton



Nach Dienemann kann man die chem. und physikal. ziemlich verschiedenartigen Tongesteine folgendermassen definieren: Die Tongesteine sind äusserlich durch ihre Bildsamkeit im feuchten Zustande, die Beibehaltung der Form nach dem Trocknen und durch ein erhärten beim Brennen gekennzeichnet. An ihrer Zusammensetzung nehmen als wesentlicher, charakteristischer Anteil in wechselndem Umfang bestimmte Zersetzungs- und Verwitterungsprodukte tonerdehaltiger Mineralien teil, die als gemeinsames chem. Merkmal einen grösseren Gehalt an Tonerde, Kieselsäure und chemisch gebundenem Wasser aufweisen.

Die Tone sind durch Verwitterung und chemischer Zersetzung der Feldspäte von Erstarrungsgesteinen entstanden: der Kalifeldspat (K2O·Al2O3·6SiO2) geht z.B. über in Kaolin (reiner Ton) von der Formel Al2O3·2SiO2·2H2O. Es wird also bei dieser Umwandlung das Kali des Feldspats (als Kaliumsilikat und Kaliumcarbonat) sowie ein Teil der Kieselsäure abgeführt und gleichzeitig Wasser gebunden.

Die wichtigsten Tonbestandteile sind die Mineralien Kaolinit, Al2O3·2SiO2·2H2O, Notronit (Al,Fe)2O3·3SiO2·mH2O, nebst etwas MgO und CaO sowie der Monmorillonit, Al2O3·4SiO2·H2O·nH2O. Daneben finden sich in den gewöhnlich braunen oder gelblichen Tonen unserer Äcker wechselnde Mengen von Fe-, Mn-, Mg-, Ti-, P-, N- usw. Verbindungen, Humusbestandteile, Spurenelemente u. dgl., die teils chemisch gebunden, teils physikalisch an die sehr kleinen Tonteilchen absorbiert sind.

Röntgenstrukturanalyse und Übermikroskop haben gezeigt, dass die Tonteilchen sehr feinkristalline Körperchen von kolloidaler Grössenordnung (kleiner als 20 Mikron) darstellen. Feuchter Ton ist ziemlich wasserundurchlässig ("wassertragend"). Ein Teil des Wasser ist an den Ton chemisch gebunden; die letzten Wasserspuren verdampfen erst beim Erhitzen auf 550°. Vor dem Lötrohr ist Ton unschmelzbar. Beim Glühen schwindet er etwas. Die Härte des Tons liegt bei etwa 1, die Dichte bei 2,4.

Der Anteil er Tonböden und Tongesteine erreicht über 70% aller Sedimentgesteine. Tonböden finden sich fast überall in Deutschland; sie sind hauptsächlich in der Tertiär- und Quartärzeit durch Verwitterung des Gesteinsuntergrundes, Zusammenschwemmungen usw. entstanden.

In der Industrie bilden die Tone einen sehr wichtigen Rohstoff für die Herstellung von Backsteinen, Ziegeln, Terrakotta, feuerfeste Materialien, keramischen Erzeugnissen usw. Reine Tone verwendet man auch als Füll- und Streckungsmittel, Katalysatorträger, Entfärbungsmittel, Modelliermassen, zur Herstellung von Bleistiften usw.

Siehe auch Poliment und roter Ocker, Rötel.