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Stukkolustro und seine Herstellung

Der Stukkolustro und seine Herstellung - ca. 1910, von Hans Heinen, München

Autor / Quelle: Hans Heinen


Verarbeitung:

Der Stukkolustro = glänzender Stuck, Glanzstuck, ist italienischen Ursprungs. Seine Herstellung ist, wenn das Endergebnis in jeder Beziehung tadellos sein soll, ziemlich schwierig. Das Gelingen der Arbeit hängt in erster Linie von der Beschaffenheit des Mauerwerks ab, auf das er aufgetragen wird. Dieses muss vor allem gut ausgetrocknet sein und darf nicht salpeterhaltig sein, da dieser sonst die Arbeit durchdringen und zerstören würde. Der zu benutzende Mörtel muss die richtige Konsistenz haben und muss auch in richtigem Verhältnisse aus altem, fettem Kalk und Flusssand gemischt sein. Zuviel Sand gibt eine lose, unhaltbare Schicht, zuviel Kalk verursacht Reissen der ganzen Arbeit.

Der eigentliche Stukkolustro-Mörtel besteht aus altem Kalk und fein gemahlenem Pulver von karrarischem Marmor; auch hier muss, aus den oben erwähnten Gründen, das richtige Verhältnis beobachtet werden. Die zum Bemalen des fertigen Stukkolustro-Verputzes dienende Kalkfarbe erhält einen entsprechenden Zusatz von venetianischer Seife. Das Verhältnis dieser beiden Materialien ist ziffermässig nicht gut anzugeben, es ergibt sich dies viel leichter bei praktischen Versuchen. Zuwenig Seifenzusatz macht, dass sich die Farbe beim Bügeln verschiebt, zuviel Seife verursacht Abblättern ganzer Schichten während des Bügelns. (Venetianische Seife ist eine sogen. harte Seife, durch Natronlauge verseiftes Olivenöl.)

Ferner hängt das Gelingen der Arbeit auch vielfach mit örtlichen und den Witterungsverhältnissen zusammen. Die Arbeitsstelle soll, solange die Arbeit eben dauert, nicht von Zugluft getroffen werden, und auch grosse Hitze und starker Frost sind von schädlichem Einfluss. Ein möglichst langsames Trocknen der ganzen Fläche sichert stets den Erfolg am besten.

Die Ausführung geschieht unter Berücksichtigung des bisher Gesagten in folgender Weise:

Ist das Mauerwerk gut trocken und salpeterfrei, so wird es gut genässt und dann die erste Mörtellage durch einen Maurer oder Stukkateur aufgetragen. Der Mörtel muss fachgemäss verarbeitet und gut verrieben werden, auch ist stets mit dem Richtscheit nach allen Richtungen zu kontrollieren und erhöhte Partien abzustreifen, um schon jetzt eine möglichst eben Fläche zu erhalten. Ebenso müssen die Ecken gut nachgesehen werden, dass sie keine Biegungen und Vorsprünge zeigen.

Ist das Mauerwerk nicht in gutem Zustande, so ist es ratsam, entweder alles mehrmals mit verdünnter Salzsäure zu streichen oder - was sicherer ist - die Mauerfugen auszukratzen, dann die Mauer mit Teer zu streichen und in diesen nassen Teeranstrich Sand (gut trockenen natürlich) zu streuen. Auf diesen Teeranstrich kommt dann die erste Mörtellage.

Wenn diese Mörtelschicht vollständig ausgetrocknet ist, kann mit der Ausführung des Stukkolustro begonnen werden.

Wie schon erwähnt, bereitet man den hierzu nötigen Mörtel aus Kalk und gepulvertem Karraramarmor. Dieses Marmorpulver muss in drei Feinheiten vorhanden sein, die als Nr. 2, Nr. 1 und Nr. 0 bezeichnet werden. Mit diesen drei verschieden gekörnten Marmorstaubsorten bereitet man dann in separaten Gefässen drei verschiedene Stuckmassen, indem man das Marmorpulver tüchtig mit altem, durchgesiebtem Löschkalk vermischt. Der erste, trockene Mörtelbelag wird wieder genässt und sodann zuerst der gröbere Marmorstaubmörtel (Nr. 2) aufgetragen, in der allgemein üblichen Weise. Durch Aufziehen mit dem Mörtelbrett und festem, gleichmässigem Einreiben.

Hat beides angezogen, so wird der Mörtel Nr. 1 in derselben Weise dünn aufgetragen und, bei fortwährendem Annässen, durch Reiben mit der Traufel - einem kellenähnlichen Instrument - glatt und fest gemacht. Wenn auch diese Schicht angezogen hat, so wird der Mörtel Nr. 0 - die feinste Sorte, in dünner Lage, aufgezogen und mit der Spachtel geglättet. Diese Spachtel ist übrigens nicht das bekannte Malerinstrument, sondern ein viereckiges, ebenes Stahlblech, auf der Rückseite mit einem Griff versehen, ein stählernes Reib- und Glättinstrument nach Art der hölzernen Reibebretter.

Damit wäre dann der Grund des Stukkolustros fertig und es kommt nun die farbige Dekorierung.

Hierzu wird, nachdem der Mörtel richtig angezogen hat, zuerst die etwa gewünschte Einteilung der Fläche vorgenommen und die Umrisse der anzubringenden Füllungen, Friese usw. durch Abziehen mit Zimmermannsblei und Richtscheit fest und gleichmässig stark angegeben. In der Regel wird Stukkolustro als Marmor behandelt und da wird man für die Einteilungsformen entsprechend verschieden gefärbte Arten wählen.

Zuerst wird die Grundfarbe in ein oder zwei Tönen mit der präparierten Kalkfarbe gestrichen; es muss dies sehr gleichmässig, leicht und schnell geschehen. In der Regel genügt ein zweimaliger Anstrich. Auf diesen Grund erfolgt die Marmorierung in den passenden, in Töpfen gemischten Farben, alles, wie schon eingangs erwähnt, Kalkfarben mit einem Zusatz von venetianischer Seife.

Wieviel Farbentöne nötig sind, hängt von der Art des gewählten Marmors ab. Zu einem hellgelben Marmor für Wandfüllungen (sienaähnlich) genügen folgende 8 Farben:
1. Grundton für den Anstrich, hellgelb
2. ein grauer Ton in gleicher Stärke oder etwas dunkler als der gelbe
3. zwei gelbe Marmoriertöne in gleichmässiger, leichter Abstufung, also dunkler als der gelbe Grund
4. ein rötlicher und ein brauner Ton zum Auszeichnen der Partien
5. ein dunkleres Grau für einige Queradern und Steinchen, zur Abgrenzung der einzelnen Aderpartien usw.
6. Weiss (reiner Kalk), um die grauen Adern und Steinchen teilweise auszulichten.

Zum Einstreichen nimmt man grosse, weiche Borstenpinsel oder Vertreiber, zum Anlegen der ersten beiden Marmortöne zwei starke, zusammengebundene Rindshaar-Malpinsel. Diese müssen so verbunden sein, dass die Spitzen etwa 2-3 cm weit auseinanderstehen. Auch mit einem grosslöcherigen, an einer Seite flachgeschnittenen Schwamm kann man die hellen Partien ausarbeiten, die beiden dunkleren Töne (rötlich und braun) müssen fein und scharf aufgesetzt werden. Zu den grauen und weissen Tönen nimmt man wieder Malpinsel mit guter Spitze. Zum Schluss kann die ganze Arbeit noch mit dem Grundton übertupft werden, entweder mittelst eines Schwammes oder mit einem dreispitzigen Marmorierkpinsel.

Ein Schwamm ist jedoch nur an Füllungen oder grossen Flächen gut anwendbar, nicht aber an Friesen, Pilastern, usw., wo man mit scharfen Ecken zu rechnen hat. Hierfür nimm man ein anderes Werkzeug zu Hilfe, nämlich eine etwa handgrosse Gummiplatte, die auf ein Brettchen aufgeleimt ist und in die man rundliche Löcher von verschiedener Form, Lage und Grösse eingeschnitten hat. Diese Platte wird mit Farbe gestrichen und auf die zu bearbeitende Fläche gedrückt; man kann damit in alle Ecken hinein, sie ist aber auch an Flächen gut brauchbar.

Für Flächen, die dicht mit Punkten oder Steinchen besetzt sein sollen, kann man sich einen Faustpinsel aus langen geschliffenen Borsten herrichten, indem man mit einem Messer an verschiedenen Stellen die Borsten herausschneidet, sodass die übrig bleibenden Borsten einzelstehende Spitzen von verschiedener Grösse bilden.

Hat man die Füllungen fertig, so macht man die Friese, zumeist nur mit wenigen Tönen, mehr besetzt und ruhig; Bänder deckt man mit besonderen Schablonen ab und marmoriert so hinein.

Zu einer hellgelben Wand wirken rotbaune Friese in lichten Tönen stets gut, auch weisse Bänder oder schwarze, grün geaderte Bänder sind dazu passend. Um die Kanten der Friese sowie zusammenstossender Platten, Quadern usw. recht scharf zu erhalten, benützt man eine Art Lineal aus Zinkblech, das scharf angelegt und bei jedem Verrücken gut abgewischt werden muss.

Der Marmor wäre jetzt fertig; die Arbeit sieht aber noch ganz rauh und unansehnlich aus. Es fehlt eben noch die Hauptsache, die Vollendung der Arbeit, nämlich das B ü g e l n des Stukkolustro.

Dieses Bügeln geschieht mit eigens dazu konstruierten Eisen, die auf Holzkohlenfeuer erhitzt werden. Durch das Bügeln werden alle Körnchen der Farben in die Flächen hineingedrückt und durch gleichmässigen Druck, grosse Anstrengung und Ausdauer entsteht so eine vollständig ebene, glatte und glänzende Fläche.

Zu dieser Arbeit gehören aber ganz geübte Hände, denn jeder zu scharfe Druck gibt eine Vertiefung in der Fläche, die nicht mehr zu beseitigen ist. Auch der Hitzegrad der Bügeleisen ist von grosser Bedeutung; zu heisse Eisen machen weisse Brandflecken, ungenügend heisse Eisen verschieben die Farben und machen dunkle Flecken, die gleichfalls nicht mehr zu beseitigen sind.

Hat man eine ebene Fläche mit dem gewünschtem Glanze erzielt, so ist die Arbeit gelungen, vorausgesetzt dass die Marmorierung ordentlich ist und die Farben alle stehen geblieben sind. Die Marmorierfarben werden nur mit Kalkwasser angerührt und müssen unbedingt kalkecht sein, sonst verschwinden sie mit dem Bügeln. Zum Schlusse nimmt man Lineal und Zimmermannsblei zur Hand und zieht alle Einteilungslinien scharf nach. Der gebügelte Stukkolustro ist noch nass und so gravieren sich die Linien gut darin ein.

Nun lässt man die Arbeit vollständig austrocknen. Sie wird dadurch bedeutend heller im Ton und verliert den Glanz. Um diesen wieder herzustellen, wird die ganze Fläche zuerst mit Rüböl mittelst eines Lappens getränkt und tüchtig gerieben. Nach einigen Tagen trägt man dann in derselben Weise eine Lösung von Wachs in Terpentinöl auf und reibt dann solange mit wollenen Lappen, bis ein gleichmässiger Hochglanz erreicht ist.

Hinweis:

Stukkolustro kann übrigens auch ohne Marmorierung, in einfachen Tönen oder mit jeder beliebigen Malerei ausgeführt werden; besonders Arbeiten im pompejanischen Stil werden in dieser Technik ausgeführt. Man kann schablonieren und liniieren wie mit jeder anderen Farbe, doch darf man immer nur kalkechte Farben anwenden. Die Haltbarkeit eines richtig ausgeführten Stukkolustro ist unbegrenzt.

Für die oben beschriebenen Verarbeitungshinweise übernehmen wir keine Gewähr. Wir empfehlen in jedem Fall die Herstellung und Bewertung von Musterflächen.