Korngröße, Kornverteilung und Kornform

Korngröße, Kornverteilung und Kornform

Die Korngröße ist eine wichtige Kennzahl für die praktischen Eigenschaften eines Pigments. Häufig sind die Verarbeitbarkeit und der Farbton von der Korngröße abhängig. Für transparente Mal- oder Lackschichten sollte das Primärkorn möglichst groß sein, denn verwachsene Teilchen lassen die Farbe opaker erscheinen als große Einzelkristalle. Grundsätzlich gilt: umso feiner das Pigment, desto größer ist der Bindemittelbedarf. So benötigt z.B. Blanc fix sehr wenig Öl, Terra di Siena und Flammruß sehr viel.
 
Neben der Korngröße spielt auch die Korngrößenverteilung eine wichtige Rolle. Bei synthetischen Pigmenten ist diese meistens relativ homogen, das heißt die Teilchen sind alle ungefähr gleich groß. Bei Erden und Mineralien kann die Korngrößenverteilung abhängig vom Rohmaterial hingegen sehr inhomogen sein. Grundsätzlich gilt: umso ähnlicher die einzelnen Teilchen sind und umso homogener die Korngrößenverteilung ist, desto klarer ist in der Regel die Farbe. Feinere Teilchen bilden einen feinen Staub, der sich auf die gröberen Teilchen legt und deren Farbe verändert.
 
Darüber hinaus haben die Pigmentteilchen je nach Material, Herstellung und Bruchverhalten auch ganz unterschiedliche Formen. Die Partikel können runde Teilchen oder scharfkantige kleine Splitter sein, flache Plättchen oder dickere Tafeln und sogar stäbchenförmige, nadelige und faserige Formen aufweisen. Die Kornform spielt für die Verarbeitung ebenfalls eine wichtige Rolle, denn sie erklärt, weshalb z. B. Glas, Quarz oder Lapis Lazuli schwieriger zu verarbeiten sind als Pigmente mit gerundeter Kornform. Die scharfkantigen kleinen Splitter bleiben gerne im Pinsel hängen und lassen sich weniger gut verstreichen. Plättchenförmige Teilchen wie Graphit oder Glimmer richten sich parallel zur Farbschicht aus. Die Oberfläche der Teilchen reflektiert das Licht und verleiht einen Glanz- oder Glitzereffekt. Durch die Plättchenform kann aber die Trocknung verzögert werden, insbesondere bei Ölfarben. Poröse Teilchen wie Kreide oder kohlenstoffhaltige Schwärzen wirken hingegen eher matt. Aufgrund ihrer Porosität wirken sie wie kleine Schwämmchen und benötigen sehr viel Bindemittel. Nadelige oder faserige Teilchen können bei Malachit, Magnetit, Gips oder anderen Mineralen und auch bei einigen synthetischen Pigmenten auftreten.


Farbton von Pigmenten

Der Farbton eines Pigments hängt u.a. von der Korngröße ab. Dies kann man sehr schön bei unseren farbigen Glasmehlen mit ihren fünf unterschiedlichen Mahlungen sehen. Zudem hat die Verwendung des Bindemittels einen Einfluss auf die Farbigkeit. Beispielsweise werden die meisten Grünerden in Öl sehr dunkel.

Daneben wird der Farbton eines Pigments auch von der Beleuchtung beeinflusst. Den Effekt, dass ein Pigment in jedem Licht anders aussieht, nennt man Metamerie. Besonders stark tritt dies bei blauen, grünen und violetten Pigmenten zutage. Das Nachmischen von Farben, die stark metamere Pigmente enthalten, kann sehr schwierig sein. Farbsysteme nach RAL oder NCS bieten zwar eine Orientierung, geben aber keinen Aufschluss darüber, welche Pigmente oder Pigmentmischungen vorliegen.

 

Weitere Information: Korngroessen.pdf