Produkte für den Musikinstrumentenbau

Materialien für Oberflächenbeschichtung von Instrumenten.
Die Natur bietet seit alters leicht zugängliche Materialien, welche zur Verbesserung und Haltbarmachung von Holz benutzt werden können.

Mineralische Grundierung von Geigen

Das Grundieren einer Geige dient dem Schutz des Holzes vor äußeren Einflüssen und verhindert das Eindringen von Schmutzpartikeln in die Struktur. Der Grundierung kommt daher eine Trennfunktion zugleich, da sie Holz und Lack voneinander separiert. Seit vielen Jahren werden über die Grundierung von Geigen aus der Zeit von Stradivari und Guarneri Untersuchungen durchgeführt. Manche Analysen kommen einer Mischung verschiedener Mineralien nahe, welche mit Wasserglas gebunden auf der Oberfläche des Holzes zu sitzen scheinen. Eine wichtige Eigenschaft der Grundierung ist dabei die Wasserunlöslichkeit. Sollten die Geigen später mit Wasser in Berührung kommen (z. B. Reinigung, Luftfeuchte) kann es zu einer Anlösung der Grundierung kommen und in Folge dessen zur Ablösung der darüber liegenden Lackschicht.

Produkte für Geigenbauer

Rubio Mineral Ground

David Rubio hat in Verbindung mit verschiedenen Forschungsinstituten eine Mischung erarbeitet, welche eine gewisse Ähnlichkeit mit den historischen Grundierungen aufweist. Diese Mischung besteht aus Calciumlactat, Alaun, Mangansulfat, Titanweiss, Eisenoxidgelb und Glimmer, welche mit Wasser zu einem dünnen Brei angerührt werden. Mit einer Lösung von Kaliwasserglas in Wasser wird das trockene Holz getränkt. Unmittelbar darauf wird der Mineralienbrei dünn aufgetragen.

Über diese gelbliche Masse wird noch einmal mit Kaliwasserglaslösung darüber gewischt. Anschließend muss die Grundierung trocknen. Zur weiteren Verarbeitung Schleifen und Lackieren.

Grundierung GD

​In Anlehnung an alchemistische Rezepte der Hochrenaissance stellen wir diese neue Grundierung vor. Seit der Spätgotik gibt es braungebeizte holzsichtige Skulpturen, Deckenschnitzereien und die braungebeizten Geigen der Cremoneser Meister. Bis heute ist die Beschaffenheit dieser Grundierung unbekannt geblieben. Wir haben das Supreme von Mütterlichkeit in Conjunction mit dem Feuer der Lebendigkeit vereinigt, um die eigentümliche Härte und Farbigkeit dieser geheimen Grundierung zu gewinnen. Das Holz von Ahorn und Tanne wird mit der Grundierung GD steinartig gehärtet und bernsteinfarben gefärbt. Durch die Grundierung verliert das Holz Dämpfung, der Ton wird klarer und tragender.

Anwendung: Das Holz wird wie üblich mehrfach geschliffen. Die Grundierung GD wird mit weichem Pinsel oder Schwamm gleichmäßig innen und außen aufgetragen. Nach wenigen Minuten wird der Überschuss außen mit einem Lappen entfernt. Außen bis zu dreimal wiederholen. Verbrauch ca. 100 Gramm pro Geige. Nach dem letzten Schliff kann mit Spiritus- oder Öllacken lackiert werden.

Terpentinharzöl

Früher wurde Balsamterpentinöl in Gegenwart von Luft destilliert. Die hierbei entstehenden Rückstände können Peroxide bilden, welche sehr gefährlich sind. Daher wird dieser Prozess aus Sicherheitsgründen heute so nicht mehr durchgeführt. Eine ähnlich gefährliche Substanz entsteht bei einer Durchleitung von Luft durch heißes Balsamterpentinöl.

Kremer Pigmente stellt deshalb ein ähnliches Produkt aus rohem Kolophonium und Balsamterpentinöl her. Dabei wird das rohe Kolophonium verkocht und anschließend in Balsamterpentinöl gelöst. Das Terpentinharzöl ist in drei verschiedenen Konzentrationen (dick, mittel, dünn) für die Grundierung erhältlich.

Viele Pflanzen bilden Öle als Energie- und Reservestoffe in Samen

Leinöl, Mohnöl und Walnussöl haben die Eigenschaft, unter Sauerstoffaufnahme zu erhärten. Wenn man diese trocknenden Öle auf Holz aufbringt, dann dringen die dünnflüssigen Öle in das Holz ein und machen die Oberfläche weniger wasserempfindlich. Bei Holzblasinstrumenten kann man die inneren Oberflächen z.B. mit Walnussöl sättigen und damit die Spielbarkeit bei Flöten deutlich verlängern. Bei äußeren Oberflächen greift sich die Ölbeschichtung schnell ab, man muss diese Beschichtung oft wiederholen.

Nach vielen wiederholten Ölaufträgen erhält die Oberfläche eine sehr gute Haltbarkeit. Bis in die Zeit der Renaissance war diese Holzbehandlung der Standard für Holzmöbel und Holzinstrumente.

Verbesserung der Haltbarkeit von Ölanstrichen

Die Idee, die guten Eigenschaften der trocknenden Öle mit der Festigkeit der Harze zu verbinden war naheliegend, aber schwierig. Die in der Natur vorkommenden Harze lassen sich nicht einfach mit den Ölen vermengen. Wenn man z.B. das Kolophonium längere Zeit erhitzt verändern sich seine Eigenschaften. Das Kolophonium wird spröder und verliert viel von seiner Klebrigkeit. Dieses gekochte Kolophonium kann man flüssig mit heißem Leinöl vermischen. Diese Öl–Kolophonium Verkochung würde bei Raumtemperatur fest werden, man kann aber bei Temperaturen über 150°C mit Balsamterpentinöl auf Streichfähigkeit verdünnen (aufgrund der Brandgefahr nur im Außenbereich durchführen).  Das hierfür benötigte Kolophonium kann aus verschiedenen Nadelholzbalsamen und auch aus Bernstein gewonnen werden. Wenn man das hierfür benötigte trocknende Öl zuerst verseift, dann nennt man den Lack Seifenlack.

Schutz vor Bakterien und Insekten

Als Schutz vor Bakterien und Insekten bilden viele Pflanzen Harze und Balsame, die bei Verletzungen der Rinde oder bei Erkrankungen der Pflanzen austreten. Harze wie Sandarak, Mastix, Koniferen – Balsame wie Lärchenterpentin, Canadabalsam etc. werden wegen ihrer antibakteriellen Wirkung „schon immer“ in der Medizin bei Wundbehandlungen eingesetzt. Noch in den 1960ziger Jahren hat man größere Verletzungen mit Mastixverbänden abgedeckt. Im englischen Sprachraum bedeutet Mastic nicht nur das Harz des Mastixstrauchs, sondern ganz allgemein klebender Kitt. Aus vielen Nadelbäumen kann man den sehr klebrigen Balsam gewinnen. Beim Erhitzen des Balsams erhält man als flüchtige Komponente das Balsamterpentinöl und Kolophonium als festen Rückstand. Mastix und Sandarak sind ein wichtiger Bestandteil in alkoholbasierten Lacken. Verkochungen von trocknenden Ölen mit Harzen und Balsamen ergeben eine erhöhte Haltbarkeit.

Aus tierischen Rohstoffen gewinnt man eine Vielzahl von wichtigen proteinhaltigen Bindemitteln.

Aus entfetteter Milch kann man Käsestoff rein abscheiden. Wenn dieses Casein mit Alkalien aufgelöst wird erhält man Caseinleim. Schließt man das Casein mit Sumpfkalk auf erhält man die ziemlich wasserbeständigen Kalk-Casein Leime. Aus Haut, Nerven, Knochen und vielen anderen tierischen Bestandteilen von Rindern, Hasen und auch Fischen kann man Leime erhalten, welche meist nach ihrem Rohstoff benannt werden. Je härter der Leim desto fester die Verklebung, je elastischer desto geringer ist die Klebekraft. Aus diesem Dilemma heraus bemüht man sich um möglichst elastische und feste Leime. Ein guter Kompromiss ist Rinder-Hautleim oder Fischleim. Diese Proteinleime werden meist zum Verkleben der Einzelstücke eines Instrumentes verwendet, Caseinleime auch für die Oberflächengestaltung, insbesondere auch auf Leder. Hausenblase eignet sich besonders für Bögen.

Die neue Welt – importierte Rohstoffe verändern die Möglichkeiten

Ab etwa dem 12. Jhdt. gibt es Schellack in den Apotheken. Dieses Harz aus den Stoffwechselrückständen der Lackschildlaus in Indien lässt sich mit mehr oder weniger wasserfreiem Ethylalkohol auflösen und ergibt für sich alleine ganz hervorragend haltbare Lacke. Nach der Entdeckung des Seeweges um Afrika durch die Portugiesen Ende des 15. Jhdts. stiegen die Mengen stark an. In der weiteren Folge kamen über diesen Handelsweg Gewürze, Räucherharze und auch neue Farbmittel aus Süd- und Ostasien. Von besonderer Bedeutung wurden das Benzoeharz aus Siam oder Sumatra und Dammar aus den Gebieten des heutigen Indonesiens. Gummi Gutti aus Kambodscha, Drachenblut aus Sumatra, und eine große Vielzahl von Farbhölzern und sonstigen Färbematerialien machen die Neuzeit farbiger als die Zeiten davor.

Krapplack

Krapplack gehört zu den ältesten bekannten Pigmenten und wurde schon vor über 3.000 Jahren verwendet. Die traditionelle Herstellung erfolgt aus der Wurzel der Färberröte Rubia tinctoria. Dazu werden die Krappwurzeln getrocknet und gemahlen. Anschließend werden die enthaltenen Farbstoffe mit Salzen ausgefällt. Die so hergestellten Farblacke besitzen, je nachdem, welche färbenden Bestandteile isoliert wurden, Töne von Orange, Violett, Braun über Rosa bis hin zu Dunkelrot. Im Gegensatz zu den meisten anderen pflanzlichen Farbstoffen wurde Krapp nicht nur von Färbern, sondern auch von Kunstmalern sehr geschätzt. Die Lichtechtheit des Krapplacks ist, im Vergleich zu anderen natürlichen Farblacken, relativ gut, da das enthaltene Alizarin ziemlich beständig ist. Weitere Farbstoff-Bestandteile, wie Pseudopurpurin, sind weniger beständig. Krapplack ist ein typisches Lasurpigment und kann in Öl- und Wasserfarben verwendet werden.

Heute wird Alizarin praktisch ausschließlich synthetisch gewonnen. 1868 gelang es den Chemikern Graebe und Liebermann, Alizarin zu synthetisieren, welches die lichtechte Komponente des Alizarin-Krapplackes ist. Alizarin war der erste natürliche Farbstoff überhaupt, welcher synthetisch hergestellt werden konnte. Die Haltbarkeit dieser modern, künstlich hergestellten Pigmente kann mit einer Lichtechtheit von 6-8 als sehr gut eingestuft werden.

Gleichwohl ob natürlichen oder synthetischen Ursprungs, war Alizarin-Krapplack damals allen anderen organischen Farbstoffen weit überlegen (wenngleich beispielsweise Farbstoffe wie Karmin erheblich brillanter waren). Sogar heute wird Krapplack noch gerne als das ideale "kalte" Rot bezeichnet. Sowohl das alte Naturprodukt als auch moderner Alizarin-Krapplack sind völlig ungiftig.
 
Die Bezeichnung "Lack" hat nichts mit dem zu tun, was der Anstreicher darunter versteht. Bei Krapplack handelt es sich um einen sogenannten Farblack. Ein anorganisches Substrat, welches unlöslich ist, wird mit einem löslichen organischen Farbstoff, hier Alizarin, gefärbt.

Öllacke für den Instrumentenbau

Kremer Pigmente Öllacke sind lichtecht, lasierend und sehr gut für Holzoberflächen und Instrumentenbau geeignet.

Sie werden in Handarbeit in der Farbmühle in Aichstetten hergestellt.

Die verkochten Harzöllacke sind als transparenter Öllack oder in 6 verschiedenen Farbtönen erhältlich und gebrauchsfertig.